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Bass professor 1/2014, BassMuseum BC Rich Mockingbird Bass 1976Liebe Leser, in dieser Folge möchte ich euch einen wundervollen BC Rich-Bass der ersten Stunde vorstellen. Beginnen wir doch mit dem Namensgeber: Bernardo Chavez Rico. Dieser besaß in den 60er-Jahren in Los Angeles „Bernardo’s Guitar Shop“ – ein kleines Geschäft für Flamenco-Gitarren. Bernardo selbst war ein begnadeter Flamenco-Gitarrist, und hinter dem Ladentresen war durch eine Fensterscheibe die Werkstatt zu sehen, in der Bernie mit einigen Kollegen seine Flamenco-Gitarren baute. Nachdem kein Geringerer als Bo Diddley seine berühmte Gretsch-Gitarre in diesen Shop zur Reparatur gebracht hatte, begann sich Bernie auch für E-Gitarren und E-Bässe zu interessieren.

Gegen Ende der Sixties wurde Bernie durch den Gibson EB 3-Bass dazu motiviert, auch einmal Bässe zu bauen. Dazu hat er viele Sounds von beliebten zu dieser Zeit erhältlichen Bässen aufgenommen, um sich einen Eindruck und Überblick zu verschaffen, welche Instrumente von Bassisten gerne gespielt wurden. Es gingen jedoch noch etliche Jahre ins Land, bis es dann mithilfe des Designers Neal Moser im Jahr 1976 endlich soweit war: die Mockingbird- und die Eagle-Modelle erblickten das Licht der Welt.

Der hier abgebildete Mockingbird ist einer der ersten Bässe, die Bernardo Rico persönlich gebaut hat. Ein sogenannter Short Horn Mockingbird. Ab 1978 wurde die Form verändert: der Korpus wurde schlanker mit einem verlängerten unteren Horn, welches nun geradezu phallisch in die Gegend ragte. Weil die Short Horn Version nur in den Jahren 1976 und 1977 gebaut wurde, sind diese Instrumente heutzutage entsprechend selten zu finden, und die Anschaffung ist durchaus kostenintensiv.

In Bernado Ricos Werkstatt fand keine Massenproduktion statt, sondern es wurden nur einzelne, sorgsam durchdachte Edel-Instrumente gebaut. Daher war die Stückzahl der hergestellten Gitarren und Bässe in der Anfangszeit nicht hoch. Entsprechend klein war auch die Anzahl der Mitbewerber zur damaligen Zeit; hier wäre in Kalifornien gerade mal Alembic zu nennen. Die schönen und edlen BC Rich-Bässe waren, wie die Alembics, ebenfalls nicht gerade günstig, aber irgendwie trafen sie doch etwas mehr den Geschmack einiger bekannter Bassisten. Ich kann mich gut erinnern, wie in der Zeit ab 1978 viele BC Rich Eagle- und Mockingbird- Bässe zu sehen und zu hören waren. Obwohl es das Eagle-Modell im Vergleich zum Mockingbird doch schwer hatte, sich auf dem Bassmarkt zu behaupten, ist die Mockingbird-Korpusform auch für viele Rockgitarristen ein beliebter Klassiker geworden. Noch heute ist diese Form auf allen Bühne der Welt in vielen Variationen anzutreffen.

Bass professor 1/2014, BassMuseum BC Rich Mockingbird Bass 1976Dieser frühe Mockingbird-Bass besticht in dem Herbstlaub mit seiner naturnahen Farbe, etwas abgedunkelt im Finish macht der mit seinem Quilted Maple-Korpus einfach eine tolle Figur. Ich finde die Short Horn-Formgebung sehr gelungen und in sich stimmig: beide Korpushörner verlaufen fast parallel und die Rundungen gehen gleichmäßig nach rechts. Der durchgehende Hals mit seinem Korpusblock und den schönen dunklen Kirschholzstreifen links und rechts runden das Design perfekt ab. Bei den ersten Modellen sitzt der hintere Gurtpin übrigens noch an einer anderen Stelle – erst später wurde er genau in der Mitte angebracht. Am Halsende fi nden wir dann die wunderschöne Kopfplatte mit ihrem kleinen Haken und dem R Logo sowie dem dünnen aufgeklebten Holzfurnier.

Die Seriennummern wurden normalerweise hinten in die Kopfplatte eingestanzt; erst danach kam der Lack drüber. Die Nummern starten seit Ende 1977/Anfang 78 mit der 80. Bässe, die 1979 gebaut wurden, erhielten eine 81 zu Beginn der fünfstelligen Nummer. Im Jahr 1984 verdoppelte sich der Abstand zu der eigentlichen Jahreszahl auf die Nummer 88. Das ist merkwürdig, aber auf jeden Fall sind die ersten beiden eingeprägten Zahlen nicht die tatsächliche Jahreszahl.

Die perfekten großen Grover-Mechaniken funktionieren noch wie nach einer Woche aus der Werkstatt. Die Form des Ahornhalses ist ein kräftiges D, und der Hals lässt sich bis in die hohen Lagen gut bespielen – auf 24 Bünden und schönen Karo-Griffbretteinlagen kann man sich wunderbar austoben. Das Griffbrett besteht aus Indian Rosewood. Der angenehme fl ießende Korpus-/Hals-Übergang erinnert mich ein wenig an einen alten Status Serie 2-Bass aus den 80ern. In den 70er-Jahren waren heiße Pickups sehr beliebt und gewissermaßen das Maß aller Dinge. Allen voran rangierte damals die Firma DiMarzio mit ihren gut erkennbaren Creme-Covern. Sogar heute noch finde ich diese Tonabnehmer mit ihren die Mitten betonenden Sounds sehr gelungen – und ich mag es sehr, dass alle Polepieces sich durch einen Inbus-Schlüssel genau zur Saite einstellen lassen. Diese Einstellarbeiten bedeuten durchaus schon mal einige Tage Schrauberei, aber irgendwann passen dann alle Saiten in der Abnahme und Lautstärke perfekt in der Balance zusammen.

Bei den alten BC Rich-Bässen ist die Tonabnehmerposition noch identisch mit der Platzierung beim Fender Precision. Später gab es mehrheitlich eine veränderte Position, in der der untere Splitcoil für die D- und G-Saite weiter nach vorne und der obere Teil des Tonabnehmers für die A- und E-Saite nach hinten gerückt wurde. Also in umgekehrter Position im Vergleich zu Fender. Ob es da mal von Fender Abmahnungen in Richtung BC Rich gegeben hat, ist nicht bekannt, aber klanglich gesehen gibt es für diese Veränderung eigentlich keinen erkennbaren Grund, und mir gefällt die verdrehte Position überhaupt nicht. Die Dund G-Saite bekommen in dieser Stellung zu viel Bässe und die wichtigen tragenden A- und E-Saiten sind eher zu dünn. In der traditionellen Pickup-Platzierung, die Leo Fender 1957 ersonnen hatte, klingt so ein BC Rich natürlich wie ein verbesserter Edel-Fender mit richtig „Bumms“ – und mit einem Haufen an Soundvariationen!

Bass professor 1/2014, BassMuseum BC Rich Mockingbird Bass 1976Auf den ersten Blick sind die vielen Schalter verwirrend, aber beschäftigt man sich intensiv mit so einem BC Rich Tone-Monster, dann wird alles irgendwann übersichtlich. Nach ein paar Tagen oder Wochen kann man dann sogar auf der Bühne mit gezielten Handgriffen schnell den Basssound radikal verändern. Die drei großen Potis mit den Rickenbacker-ähnlichen Knöpfen sind ein Master Volume, dann der Master für den dicken Bass Booster, und ganz hinten das Höhen Poti. Der Bass ist immer aktiv geschaltet – ohne Batterie läuft da nichts. Bei den ersten Modellen lässt sich der Bass Boost durch einen Mini-Switch unterhalb des Potis zuschalten und ist schon bei zugedrehten Booster-Poti hörbar. Der Sound wird hierdurch dicker und kräftiger. Sehr angenehm: die beiden Master-Potis beeinfl ussen sich gegenseitig. Dreht man den Booster auf, bekommt der Bass deutlich mehr Druck, doch dreht man zusätzlich den Master etwas herunter, wird der aufgedrehte Booster etwas zahmer. Hierdurch eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten – auch für die Bühne! Das Gerenne zum Amp, um etwas umzuschalten oder nachzudrehen, kann hier bei diesem Bass völlig entfallen: Alles lässt sich perfekt vom Bass aus kontrollieren. Manchmal reicht sogar eine Poti-Drehung um nur einen Millimeter, und es stellt sich eine gut hörbare Veränderung ein. Die „full-on“-Stellung möchte man hingegen seiner Bassanlage nicht zumuten. Der Mockingbird ist per se schon lauter als jedes andere Instrument.

Der große schwarze Drehknopf ist ein Sound Variation-Schalter; dort werden unterschiedliche Kondensatoren zugeschaltet. Die Palette reicht von klar bis dumpf. In der obersten sechsten Position des Drehknopfes hat man einen sehr neutralen und ausgewogenen Ton. Der Sechsfach-Schalter ist offensichtlich eine Hommage an den Gibson EB-3. Schaltet man mit dem Pickup-Wahlschalter auf den Bridge- Tonabnehmer und stellt dann den Sound Switch auf die fünfte Stellung, erhält man einen typischen mittig-knurrigen Jaco-Ton, der in der vierten Stellung sogar noch extremer ist – unglaublich! Gepaart mit dem durchgehenden Hals wäre der BC Rich somit auch ein hammermäßiger Fretless. Die drei unteren Mini-Switches sind Phasenschalter; ein Muss in den Siebzigern. Ein „Out of Phase“-Schalter war damals Pfl icht, heutzutage kann man ihn vielleicht für ein Basssolo oder andere Soundspielereien benutzen. Dafür sind die anderen beiden Dual Sound-Schalter für jedes Tonabnehmerpaar wichtig, denn sie schalten die Pickups von parallel auf seriell. Ist einem der serielle Sound zu kräftig, muss man einfach nur kurz den zweiten Mini-Schalter umlegen, und das Klangbild wird Hifi -mäßiger. Wenn es dann im Laufe des Abends lauter wird – kein Problem, einfach den Booster weiter aufdrehen, und man kann sich wieder besser hören.

Angenehm finde ich den ausgewogenen Mittenanteil der BC Rich-Bässe. Hier müssen keine übermäßigen Höhen zugedreht werden, wie es zum Beispiel bei Sadowsky-Bässen mit frischen Saiten häufig der Fall ist. Am Mockingbird ist alles perfekt ausbalanciert – zumindest wenn die Tonabnehmer vorher gut eingestellt worden sind. Merkwürdigerweise hatte ich schon einige BC Rich-Bässe in den Händen gehabt, bei denen der Halswinkel nicht mit der dicken Badass-Bridge zusammen passte. Der kräftige Brückenblock war oft zu hoch und musste an der Unterseite flacher geschliffen werden, um eine gute Saitenlage zu realisieren. Hier ist der Winkel zum Glück perfekt – der Hals neigt sich vom Korpus aus leicht nach hinten, und man erhält eine angenehme bequeme Saitenlage.

Bass professor 1/2014, BassMuseum BC Rich Mockingbird Bass 1976Der Bass macht großen Spaß und man ertappt sich dabei, diesen Vogel täglich in die Hand zu nehmen. Man wächst tatsächlich relativ schnell mit ihm zusammen, und dann gehen die Handgriffe für die unterschiedlichen Sounds wie von selbst. Ein kleiner Nachteil ist das Gewicht des Basses. Der Korpus ist ja nicht gerade schlank geschnitten – da merkt man schon beim Gig das Gewicht, was durch den hinteren Gurtpin und seine falsche Position noch verstärkt wird.

Dennoch ist dieser Bass für mich schlicht einer der besten – ein treuer Begleiter und für jeden Musikstil zu haben. Die Short Horn- Versionen kosten in einem guten Zustand in USA immer über 2.500,– Dollar. In Europa hat es die frühen BC Rich-Bässe kaum gegeben. Entsprechend selten tauchen sie hier überhaupt gebraucht auf. Die späteren Long Horn Mockingbirds oder die Eagle-Bässe kann man gebraucht mit etwas Glück für EUR 1.200,– bis 1.500,– ergattern. Ich habe meinen ersten BC Rich Bass damals im Jahr 1980 für stolze DM 3.280,– in Deutschland gekauft und aus heutiger Sicht unverständlicherweise relativ schnell wieder verkauft. Es waren mir als junger Spieler damals zu viele Knöpfe an diesem Teil. Gut, dass man sich doch verändert im Alter, denn der Mockingbird gehört heute ganz klar zu meinen Lieblingsbässen.

Die ersten BC Rich-Bässe sind oft vom Meister Bernardo Rico noch persönlich auf der Innenseite vom Batteriedeckel mit Nummer und Jahr signiert. Ich würde mich freuen, wenn diese guten und handwerklich gut gebauten Edelbässe noch lange die Bassisten-Welt erfreuen. Übrigens: Die alten BC Rich-Bässe haben rein gar nichts gemeinsam mit den schwarz lackierten BC Rich-Bässen, welche, ausschließlich in Fernost produziert, die hiesigen Läden überschwemmt haben. Diese Bässe kann man mit den in Handarbeit gefertigten USA-Modellen nicht vergleichen. Ich hoffe, ihr habt mal das Glück, so einen alten BC Rich Bass persönlich in Ruhe zu testen. Die Instrumente sind einfach traumhaft. Gut, dass der leider 1999 verstorbene Bernardo Charvez Rico nicht nur bei seinen Flamenco-Gitarren geblieben ist!

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