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Framus BL 8 Bass

bp3 2011 bm fra bl8 007"Bass Museum" von Hermann Eckholt –The Bass Hunter.

Framus BL 8 Bass Metallic Orange von 1972

Eine Premiere im Bass Museum: Zum ersten Mal zeigen wir euch einen Bass aus deutschen Landen, und zwar aus der „Fränkischen Musikinstrumentenerzeugung“ – so lautete der volle Firmenname hinter der Abkürzung „Framus“. Das Unternehmen wurde 1946 von Fred Wilfer in Erlangen gegründet. In verschiedenen kleinen Werkstätten (wie im Barackenlager Möhrendorf) und in einigen Unterkünften der Facharbeiter wurden in Heimarbeit damals auch Kontrabässe, Celli, Violinen, Gitarren, Mandolinen, Ukulelen und Zithern gebaut.

Bass Professor 3/2011 - Bass Museum: Framus BL 8 BassDie Nachkriegsjahre waren für Instrumentenbauer eine schwere Zeit: Die ständige Beschaffung guter Baumaterialien war ein Problem. Dann kam auch noch die Währungsreform, als Privatleute mangels Vertrauens in die Reichsmark lieber in Luxusgüter wie Musikinstrumente investierten und dann bei Einführung der D-Mark im Juni 1948 wieder auf dem Markt zum Kauf anboten. Dies brachte die junge bayrische Musikinstrumentenindustrie zusätzlich in ernsthafte Schwierigkeiten. Fred Wilfer war auf der Suche nach größeren Räumlichkeiten für sein Büro und die Produktion. Schließlich konnte er im August 1948 neue Geschäftsräume in Baiersdorf und im Oktober des gleichen Jahres die Produktion in die Räumlichkeiten der stillgelegten „Schübelschen Brauerei“ in der Baiersdorfer Altstadt unterbringen. Ab dieser Zeit bis 1954 machte der Betrieb eine enorme Entwicklung, und es wurde nun auch Zubehör wie Saiten, Bogen und Etuis angeboten.

Nachdem Anfang der fünfziger Jahre die Konjunktur deutlich anzog und der rettende Export nach Übersee einsetzte, wurde eine große Fabrik in Bubenreuth geplant. Am 26. Juni 1954 wurde die dreigeschossige Produktionsstätte eingeweiht – ein stattliches Gebäude mit 2.200 qm Fläche. Die 170 Mitarbeiter konnten dort monatlich 2.000 Instrumente bauen.

Bass Professor 3/2011 - Bass Museum: Framus BL 8 Bass
In den nachfolgenden Jahren bis weit in die sechziger und siebziger Jahre hinein entwickelte sich Framus zur größten Gitarrenfabrik in Europa. Viele namhafte Musiker spielten oder besaßen sogar eigene Modelle, darunter z.B. Peter Kraus, Jan Akkermann, Volker Kriegel, Attila Zoller sowie die beiden Jazzbassisten Eberhard Weber und Hans Rettenbacher vom Dave Pike Set. Besonders wichtig ist für uns jetzt einer der ersten Framus-Endorser, ein Gitarrist mit dem (damaligen) Künstlernamen Bill Lorento, heute besser bekannt als Bill Lawrence.

Der gebürtige Kölner feierte vor kurzem seinen 80. Geburtstag und ist Mitte der sechziger Jahre in den USA einer der wichtigsten Pickup-Gurus geworden. Im Jahr 1968 begann eine erneute Kooperation mit Framus, aus der dann auch dieser nach Bill Lawrence benannte Bass BL 8 entstand. Auch der oben schon erwähnte Bassist Hans Rettenbacher hat bei diesem Modell seinen Einfl uss geltend gemacht, und so ist einer der bestimmt besten deutschen Bässe dieser Zeit entstanden. Gebaut wurde das Modell ab ca. 1970 bis knapp 1975.

An meine erste Begegnung mit diesem hier abgebildeten BL 8 Bass im Jahr 1973 kann ich mich noch sehr genau erinnern: Ein guter Freund von mir rief mich zu sich, ich solle mir doch seinen neu erstandenen Bass anschauen. Also schnell aufs Fahrrad, und ein paar Straßen weiter war es dann um mich geschehen: Das war Liebe auf den ersten Blick! Was für ein Bass, diese auffällige Metallic Orange- Farbe, das schöne schwarze Schlagbrett mit Firmenlogo und die schwarzen Pickup-Rahmen. Dazu die stattliche Länge des Basses – ein Wahnsinn! Mein Kumpel und ich kamen an diesem Nachmittag gar nicht mehr runter von unserer Begeisterungswolke. Für uns junge Schulband-Nachwuchsmucker war der Preis von DM 295,– wahrlich kein Pappenstiel. 1975 wollte ich mir auch so einen BL 8 Bass zulegen, aber da gab es aufgrund der Produktionseinstellung schon Lieferprobleme. Jetzt, genau 38 Jahre später, liegt genau dieser Bass von meinem Freund wieder vor mir. Toll, diesen Bass noch einmal wiederzusehen und zu spielen. Ich dachte erst an Wandschmuck oder Trophäe alter Zeiten, aber dann traf mich doch wieder der Blitz.

Der Bass ist ein richtiges Fliegengewicht von nur 2,95 kg mit einem Body aus Abachi-Holz. Über die Korpusform könnte man sich geschmacklich streiten, aber der Bass ist nur leicht kopfl astig wegen des langen Halses und des leichten Bodies. In der Sitzposition liegt er auch sehr angenehm am Körper. Der kräftige und nach hinten stark ausgeprägte Hals mit einer mittellangen 82,1 cm-Mensur und 25 Bünden plus Nullbund sorgen für eine angenehme Bespielbarkeit mit flacher Saitenlage. Trocken angespielt lässt der Bass schon vermuten, was angeschlossen noch kommen sollte: ein Sound-Hammer! Die von Bill Lawrence und Vlado Hansal, dem Leiter der Elektronik-Abteilung bei Framus, entwickelten sogenannten HiFi-Tonabnehmer mit ihren vier großen Schrauben für die Abnahme sind perfekt für jede einzelne Saite einstellbar. Die spannfederverstärkten Einstellschrauben für die Tonabnehmerhöhe funktionieren noch so gut, als hätten sie erst gestern das Werk verlassen. Dieser Bass verfügt über einen Wumms, der nicht zu beschreiben ist – und das als einfacher, passiver Bass ohne Schnickschnack- Turbolader-Elektronik im Nacken mit nur einem Ton- und Volume-Regler plus Pickup-Wahlschalter. Der Schalter ist so robust ausgefallen, dass er z.B. auch gut auf stark beanspruchten Landmaschinen seinen Dienst tun könnte. Ich bin ja auch ein Freund schlichter Bass-Brücken: Diese hier lässt sich nur in der Gesamthöhe verstellen, die Bundreinheit ist durch die Schrägstellung vorgegeben – bei dieser Halslänge nicht gerade ein leichtes Unterfangen. Aber es passt überraschenderweise bis auf minimale Nuancen in den höheren Lagen alles gut auf diesem Bass.

Bass Professor 3/2011 - Bass Museum: Framus BL 8 Bass
Die Tonansprache ist perfekt, schnell und direkt. Auf dem Bridge-Tonabnehmer bekommt man tatsächlich den so genannten Jaco Pastorius- Sound hin – da knurrt der Framus herrlich los und ist vom Klangbild nahezu identisch mit Jacos altem Fretless Jazz Bass. Der Hals-Tonabnehmer sorgt dagegen für einen kellertiefen, aber klaren Basssound. Mit dem Bridge-Tonabnehmer zusammengeschaltet, bietet der BL 8 eine Art „dicken Jazz Bass“- Sound. Was braucht man als Bassist eigentlich mehr, und das schon seit Anfang der siebziger Jahre? Einer Zeit, als Bassan lagen (mit ein paar teuren Ausnahmen) eher schlapp und muffig klangen. Bemerkenswert, was man für sein Geld in diesem Preissegment damals geboten bekam! Der BL 8 schafft es heute im Vergleichstest zu anderen Bässen sogar noch, wesentlich teurere Modelle anderer Hersteller soundlich ganz locker aus dem Rennen zu kicken. Solch ein ehrlicher und direkter Ton, gepaart mit dieser angenehmen Bespielbarkeit. Der kräftige Hals wird vielleicht nicht unbedingt jedermanns Sache sein, dürfte aber eine wichtige Ursache für den tollen Sound sein.

Bass Professor 3/2011 - Bass Museum: Framus BL 8 Bass
Die große Kopfplatte finde ich mit ihren dezenten Einlegearbeiten und dem Saitenniederhalter ebenfalls sehr gelungen. Die Mechaniken arbeiten sehr gut und halten perfekt die Stimmung. An der Kopfplattenrückseite ist die Seriennummer (und damit das Baujahr) eingeschlagen. Auf der putzig wirkenden kleinen Halsverschraubungsplatte mit ihren vier großen Schrauben steht: Made in West Germany. Auf den Etiketten der akustischen Instrumente stand noch „BUILT IN THE HEART OF BAVARIA“, und die große Fabrik war dort ebenfalls abgebildet. Ich habe immer gedacht, dies sei eine zeichnerische Übertreibung, aber die Framus-Fabrik in Bubenreuth war tatsächlich so groß – bis zu ihrer traurigen Sprengung und den dazugehörigen Abrissarbeiten im Jahr 1986. Mitte der siebziger Jahre begann leider langsam aber sicher der hell leuchtende Stern von Framus zu sinken. Wegen der in Deutschland immer beliebter werdenden amerikanischen und fernöstlichen Instrumente musste leider Konkurs angemeldet werden. Fred Wilfer hat mit aller Kraft versucht, das große Unheil abzuwenden, aber nach einiger Zeit ging 1977 bei Framus endgültig das Licht aus.

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An dieser Stelle möchte ich euch gern das von Dr. Christian Hoyer verfasste Buch: „Framus – Built in the Heart of Bavaria“ über die Lebensgeschichte eines Musikinstrumenten- Herstellers von 1946 bis 1977 ans Herz legen und mich herzlich für die Zusammenarbeit und Unterstützung bei ihm bedanken. In diesem außerordentlich gründlich recherchierten Buch finden sich Gesprächen mit Zeitzeugen, viele Bilder und Dokumente aus dem bewegten Leben von Fred Wilfer und seinem Framus- Werk. Erfreulich, dass er später von dem Konkursverwalter die Namensrechte für einen Spottpreis zurückkaufen und diese an seinen Sohn Hans-Peter Wilfer weitergeben konnte. Dieser gründete bekanntlich bereits im Jahr 1982 die erfolgreiche Firma Warwick. Es war wohl nicht nur eine emotionale Entscheidung, die Marke Framus im Jahr 1996 wieder auferstehen zu lassen.

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Nachdem ich so viel in diesem Buch von Herrn Hoyer über Fred Wilfer und seine Firma Framus erfahren habe, sehe ich die alten Framus- Instrumente mit anderen Augen und verneige mich vor Fred Wilfer für seine Pionierarbeit, seinen Kampfgeist und Unternehmermut in den schweren Nachkriegsjahren und freue mich, dass Hans-Peter Wilfer, der „Daniel Düsentrieb des deutschen Bassbaus“, die alte Kultmarke Framus wieder zu neuem Leben erweckt hat und sie erfolgreich in alle Welt verkauft.

Wer sich mal in Ruhe die alte Produktpalette von Framus anschauen möchte, dem sei aber auch das „Framus Vintage Museum“ in einer stilvollen Gründerzeit-Villa in Markneukirchen empfohlen. Ein Besuch dort lohnt sich auf jeden Fall!


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Hauptkategorie: BP 3/2011 - Ausgabe 60

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