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Bass Museum: Fender Jazz Bass 64'

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Von Hermann Eckholt – The BassHunter
Hallo, liebe Bassistinnen und Bassisten! Betrachten wir mal für einen Augenblick unser Leben aus der Sicht eines Bergsteigers und bezeichnen wir jetzt die leider für viele in ihrem Leben unerreichbaren Topbässe als Berggipfel. Wenn man so lange wie ich (nun schon über 35 Jahre) mit der Bassgitarre verbringt, gibt es für jeden Geschmack unterschiedliche zu erklimmende Gipfel. Aus diesem Grund ist es wunderbar, dass es auf dem Bassmarkt in den vielen Jahren so zahlreiche Modelle verschiedener Hersteller gibt, denn so kann sich jeder nach Belieben seinen zu ihm passenden Traumbass aussuchen. Aber mal zugegeben: Auf der Suche beeinfl ussen uns die vielen kleinen Bassgeister doch schon nicht wenig, die zu uns durch CDs, DVDs und Liveauftritte in unsere Ohren und Augen dringen.

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Gibt es überhaupt das perfekte Instrument? Ja, das gibt es! Somit liegen, nicht nur für meinen Geschmack, sondern auch für viele Basskollegen weltweit, jetzt zwei herausragende Berggipfel vor uns, um endlich bestiegen zu werden. Der Fender Jazz Bass wurde schon von vielen Herstellern kopiert. Hin und wieder gibt es hierbei sogar den einen oder anderen einen Lichtblick, wie auch in der letzten Ausgabe beschrieben. Aber eigentlich gab nur einen Meister. Wird man mit einem besonders schönen und guten Exemplar aus seiner aktiven Zeit konfrontiert, dann ist der Fall klar: Leo Fender ist nicht einzuholen oder gar zu überholen, auch wenn das einige Neunmalkluge tatsächlich glauben. Meines Erachtens nützt jedoch alles nichts – sogar mit verbundenen Augen würde bei den Zuhörern die Entscheidung eindeutig ausfallen. Allein durch den eleganten und guten ausgewogenen Basston, der in unser Ohr dringt, bleibt am Ende bei einem Vergleichstest mit anderen baugleichen Modellen ein eindeutiger Sieger: Leos traumhafter 64er Jazz Bass. Die Jazz Bässe aus diesem Jahr haben merkwürdigerweise etwas ganz Besonderes. Ist es das angenehm leichte Korpusholz Erle, das diesen Bass mit seinen gerade mal vier Kilo so unvergleichlich macht? Oder sind es die perfekten Tonabnehmer, die jenen unglaublichen Wumms haben, jenen schwer in Worte zu fassenden Ton mit seinen klaren Höhen und dem ausgewogenen Mittenbereich? Das ist nicht so leicht zu toppen! Spielt man so einen 64er Fender Jazz Bass in einer Band, dauert es sehr lange, bis der Kopf wieder klar wird und man zurück auf dem Boden der Tatsachen landet. Da kommt schnell der Gedanke auf: „Warum brauche ich eigentlich noch einen anderen Bass?“ Erstmalig ist mir der Sound von einem 64er Jazz Bass auf einer Live-DVD von Graham Gouldmans Band 10CC aus dem Jahr 2007 aufgefallen. Schön laut über die heimische Stereoanlage... und dann begann schnell das große Staunen: „Was ist das denn bitte für ein super Ton?“ Ich kannte ja Grahams alte Platten, in den Siebzigern mit einem 73er Rick, später dann Music Man Stingray, und jetzt zieht er mit einem schönen 64er Sonic Blue Jazz Bass los. Dieser Sound und seine federleichte und elegante Spielweise zogen mich sofort in ihren Bann. Der traumhafte Jazz Bass in Candy Apple Red, den ich euch heute vorstelle, klingt tatsächlich genau so, wie ich es nach der DVD von 10CC erwartet hatte und ich war echt aus dem Häuschen, diesen Sound mit den eigenen Händen erschaffen zu können. Übrigens sind bei diesen alten Jazz Bässen die Abstände zwischen den beiden Tonabnehmern enger zusammen als bei denen ab Anfang der Siebziger Jahre. Und: Das ist soundlich im direkten A/BVergleich auch deutlich hörbar.

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Dieser formschöne schlanke Hals mit seinem aufgeleimten Brazilian Rosewood-Griffbrett, die perfekte Bundabrichtung, vor allem die angenehme abgerundete Griffbrettkante – da ist nichts, was beim spielen stören könnte. Geschmeidig gehen die Frets fl ach abgerundet über in die Griffbrettmitte. Hier sollten sich mal andere Hersteller ein Beispiel nehmen, wie bei Fender im Jahr 1964 und auch in den Jahren davor gearbeitet wurde – einfach perfekt! Bei einigen alten Gibson Thunderbirds aus dieser Zeit um und nach 1964, und sogar bei einigen Bicentennial-Modellen von 1976 ist mir die gleiche Abrichtung der Frets aufgefallen. Und auch Rickenbacker mit ihrem super Halsbinding und den schön eingearbeiteten Bundstäbchen kennen dieses nervige Problem nicht, dass einem die Fret-Enden beim Spielen unangenehm auffallen. Was nach dem Wechsel bei Fender an den CBS-Konzern im Jahr 1965 und auch einige Jahre danach nicht mehr so mit der vorherigen Sorgfalt verarbeitet wurde, sind die Halstaschen, die sogenannten Neckpockets. Bei den meisten Pre CBS-Modellen passt der Hals genau in diese Halsaufnahme. Später, gegen Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger Jahre wurde da schon großzügiger gearbeitet, da war oft zwischen der verschraubten Halsposition und der oberen Korpuskante noch ein gut sichtbarer Abstand. Das sollte so nicht sein! Hier sind mir übrigens besonders in den letzten Jahren auch die Fender Custom Shop-Bässe positiv aufgefallen. Ich hatte mit insgesamt fünf 60s Jazz Bässen zu tun, und alle waren sie ähnlich perfekt gearbeitet wie die alten Originale. Also, Augen auf, denn da gibt es auch richtig gute Stücke beim Fender Custom Shop.

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Aber warum sind diese alten Originale aus den Sechzigern so gut? Dafür gibt es natürlich mehrere Gründe: Zunächst einmal ist es gut für ein altes Instrument, wenn man es bei konstanter Raumtemperatur aufbewahrt, die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist – und natürlich, wenn es regelmäßig gespielt wurde. Ich habe allerdings schon bei Vintage-Händlern in den USA Bässe zum Testen in die Hände bekommen, die lagen über 20 Jahre in ihren Koffern und warteten geduldig auf einen neuen Spieler. Einige dieser alten Schätze klangen trotzdem gut und besaßen vom ersten Moment an große Ausstrahlung. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Solch ein alter Bass kann doch eine gelebte Geschichte erzählen. So hat der ein oder andere Bass mich bei so einem Test förmlich an die Hand genommen und mit mir zusammen eine Reise ins endlose Bass-Universum unternommen, aus unbekannten Tiefen Motivation und Inspiration hervorgeholt.

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Trotz Gänsehaut und nassgeschwitzter Birne endete dann so mancher dieser intensiven und angenehmen Tests mit einer harten Landung bei dem Blick in die Geldbörse oder auf das Konto. Man kann trotzdem Glück haben und so ein altes Stück im Standard-Finish Sunburst für unter $ 9.000,– bekommen. Wesentlich teurer sind die schönen Custom Colour-Lackierungen. Wie dieser Jazz Bass hier in Leo Fenders Lieblingsfarbe Candy Apple Red. Die Pre CBS-Bässe waren unter der roten transparenten Deckfarbe mit einem Silber Metallic-Finish versehen, dadurch bekamen der Lack und der Farbton mehr Tiefe. Wenn der gesamte Bass im zunehmenden Alter nachdunkelt, sieht das besonders schön und sehr elegant aus. Ab 1966 erhielten die Candy Apple Red-Lackierungen eine Gold Metallic-Grundierung, und durch die Alterung bekamen diese oft einen Maroon-ähnlichen Farbton. Die gängigsten Farbtöne bei den Custom Colour-Bestellungen waren Candy Apple Red, Olympic White oder Lake Placid Blue. Nur eine Handvoll wurden in dem wunderschönen Burgundy Mist, einer Violett Metallic-Lackierung bestellt, wie auf unserem Bild ein traumhafter Jazz Bass vom September 1965.

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In einer der Beach- Farben, wie z.B. Sonic Blue oder Foam Green, waren sie eigentlich nie zu sehen. Auch in Fiesta Red gab es nur einige wenige. Klar, dass sich derartige Lackierungen sofort auch im Preis niederschlagen. Die Preise sind so hoch, dass die Freundin oder Frau evtl. eher ein Luxus-Automobil vorziehen würde, denn die stehen preislich auf einer Stufe. Die gängigen Custom Colours siedeln sich je nach Zustand, bei $ 13.000,– bis $ 15.000,– an. Die extremen seltenen Farben ab $ 20.000,– und höher – nach oben gibt es wie immer keine Grenzen! Die meisten Custom Colour Jazz Bässe haben einen Matching Headstock im gleichen Finish wie der Korpus, es gibt aber einige Ausnahmen. Besonders schön ist das grünlich gewordene Schlagbrett. Diese wurden bei Fender um 1963 bis 1965 verbaut. Man erkennt sie auch an ihrer ausgeprägten dreilagigen Dicke und das mit den Jahren geschrumpften Nitrocellulose-Material. Es gibt Bässe, bei denen die Schlagbrett-Schrauben förmlich aus ihrer eingeschraubten Position zur Korpusmitte gezogen wurden. Jetzt, wo wir uns gemeinsam mit diesem schönen und perfekt klingenden 64er Jazz Bass auf unserem Berggipfel genüsslich und zufrieden eingerichtet haben und es uns zu unserem Glückszustand als Bassist an nichts fehlt, geht unser Blick langsam aber sicher doch zu den anfangs erwähnten weiteren Berggipfeln hinüber. Was sich dort auf diesem weiteren Gipfel befi ndet? Geht es tatsächlich noch höher? Was kann klanglich denn überhaupt noch kommen? Vielleicht ein Fender Jazz Bass Stack Knob aus der Anfangszeit von 1960 bis 1961? Da beginnt auch leider preislich ein ganz anderes Abenteuer: Die Experten, bei denen ich nachgefragt habe, bekamen alle leuchtende Augen und gerieten ins Schwärmen. Ein alter originaler Jazz Bass Stack Knob sei der Höhepunkt, wurde mir hier erzählt! Also Freunde: Auf zum nächsten und höchstem Jazz Bass Gipfel!

Euer Bass Hunter


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Hauptkategorie: BP 2/2012 - Ausgabe 64

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