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Ampeg Dan Amstrong Plexi Lucite Bass (1970)

bp2_2011_bmu_069_550_2"Bass Museum" von Hermann Eckholt –The Bass Hunter.

Ampeg Dan Amstrong Plexi Lucite Bass (1970)

Versetzen wir uns mal zurück in die Zeit Mitte der sechziger Jahre, und zwar in die Stadt der Städte: New York. Damals war der „Big Apple“ ein nicht so gepfl egtes Städtchen, wie wir es heute vorfinden, aber ungewöhnliche Menschen waren dort immer schon anzutreffen. Einer von ihnen war der Session-Gitarrist und Reparatur- Experte Dan Armstrong, geboren am 7. Oktober 1934 in Pittsburgh, Pennsylvania. Dieser betrieb eine angesagte Gitarren-Reparaturwerkstatt in der Nähe der 48sten Straße und dem Rockefeller Center in Manhattan. 1968 arbeitete in seinem Team sogar der Bassbauer Carl Thompson, der später durch seine verrückten Bässe auffi el, die er unter anderem auch für Les Claypool von Primus baute. Dan Armstrong zog später mit seiner Werkstatt an den 500 La Guardia Place ins Greenwich Village um. Dort waren die Mieten nicht so hoch und es konnte wieder „entspannt in den Tag“ gearbeitet werden. Umzüge gibt es ja öfter in New York, wie zum Beispiel bei meinem Bassfreund Roger Sadowsky, der mit seiner Bass- Edelschmiede vom Broadway 1600 – das war direkt am Times Square – raus nach Brooklyn zog. Dort ist es nicht nur günstiger, sondern er hat hier auch wesentlich mehr Platz. Die Company Ampeg war in den sechziger Jahren überwiegend mit dem Bau ihrer beliebten und guten Bass-Verstärker beschäftigt. Ein weiteres Fachgebiet von Ampeg in dieser Zeit waren Tonabnehmer zur perfekten Abnahme von Kontrabässen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass gleich zu Beginn dieses Jahrzehnts ein Kontrabass-ähnliches Instrument auf den Markt kam – ein Standbass, optisch an einen Kontrabass angelehnt, jedoch mit einem verkleinerten hohlen Korpus aus Kunststoff. Einige Jahre später, 1966, kamen dann der AUB 1 und der AEB 1 auf den Markt. Dieses Modell werde ich euch später einmal im Bass Museum vorstellen. Zuerst möchte ich mich jedoch dem mit über 1.300 verkauften Exemplaren erfolgreichsten Ampeg-Bassmodell widmen: dem Dan Armstrong Lucite Bass.

Die Ampeg Company war in Linden bei New Jersey auf der anderen Seite des Hudson River ansässig. Daher lag es auf der Hand, dass der in New York ansässige Dan im Jahr 1968 mit dem Versuch beauftragt wurde, für Ampeg eine Gitarre und einen Bass zu entwickeln. Ohne klare Vorgaben ließen sie ihn mit seinen Erfahrungen einfach machen und hofften auf einen ungewöhnlichen und erfolgreichen Entwurf. Als wenn Dan dies geahnt hätte, baute er tatsächlich ein außergewöhnliches Instrument mit einem Korpus aus Plexiglas – so etwas hatte es vorher noch nie gegeben. Leider waren die Herstellungskosten extrem hoch und der Geschmack der Musiker noch sehr konservativ und traditionsbewusst in Richtung Fender und Gibson gehend, so dass Dan Armstrong diese wunderbaren Instrumente ab 1969 nur knapp zwei Jahre gebaut hat. Erst einige Jahre später wurden dann die durchsichtigen Gitarren und Bässe von einigen Profis und Stars gespielt, darunter z.B. Bill Wyman von den Rolling Stones. Bill spielte auf der 1972er Stones-Tour in den USA diesen Ampeg-Bass, sein Bandkollege Keith Richards war noch viele Jahre mit dem entsprechenden Gitarrenmodell überall zu sehen. Auch bei der Glitter-Kultband The Sweet spielte Steve Priest bei einigen TV-Auftritten und auch live 1972/73 während ihrer Bravo-Blitztourneen einen Plexi Ampeg Bass.

Der Korpus ist wirklich glasklar und auch nach so vielen Jahren überhaupt nicht milchig geworden. Sauber gearbeitete Korpuskanten, angenehmes Shaping – erstmalig ein Bass mit Innenansicht. Schaut man seitlich in den Korpus hinein, dann werden sogar einfache Bohrlöcher für diverse Schrauben zu optisch interessanten Objekten. Besonders die trichterförmigen Halsschrauben-Bohrungen sehen richtig spacig aus, coole Sache! Dieser Ampeg ist somit der erste herkömmliche Serienbass aus einem anderen Korpusmaterial als Holz. Folglich war Ned Steinberger mit seinem Paddelbass auch nicht der erste Bassbauer mit einem holzlosen Korpus.

Leider ist dieses Kunststoff-Material nicht ganz federleicht, aber dafür erwarten den Spieler endloses Sustain und eine sehr direkte Tonansprache wie bei einem Steinberger Graphit Bass. Diese Attribute sind sogar durch die Holzhals-Kombination, gepaart mit einem Plastikkorpus, wesentlich intensiver und lebendiger als bei dem Paddel-Bass. Das liegt aber auch an den hervorragenden Tonabnehmern mit hohem Output wie bei aktiven Bässen, die Dan zusammen mit Pickup-Guru Bill Lawrence entwickelte. Im Jahr 1971 hat Dan Armstrong dann New York in Richtung England verlassen und Bill Lawrence seinen Laden/Werkstatt überlassen, der später Larry DiMarzio und Dans Sohn Kent Armstrong zu Pickup-Experten ausbildete.

Dieser Plexikorpus mit dem schönen schlanken Holzhals, sogar mit 24 Bünden – und bitte nicht vergessen, das war 1969, also noch Lichtjahre von den ganzen modernen 4-, 5- und 6-Saiter-Bässen mit 24 Bünden entfernt. Da er eigentlich Gitarrist war, baute er seinen Bass mit einer kurzen 30,5"-Mensur. Nach kurzer Eingewöhnung ist das Instrument sehr angenehm zu spielen..

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Trotz aller spacigen Features ist dann doch das Holzmuster des Formica-Schlagbretts aus Kunststoff wie aus einem guten alten Country- Film. Sehr passend zu der im ganzen Land beliebten Seitenbeplankung von Kombi-Fahrzeugen, die wir alle kennen: Diese langen Kult-Schleudern mit dem Holzlook an den Autotüren. Hier bei diesem Bass gefällt mir dieser Balance-Akt zwischen Plexi-Raumschiff und Country-Holzzaun sehr, mehr davon!

Die Daumenstütze darüber ist jedoch wirklich aus massivem Holz. In das Schlagbrett ist der Name „Dan Armstrong Ampeg“ eingraviert. Die schönen Alu-Potiknöpfe könnten auch von einem Schaltpult der Enterprise von Captain Kirk höchstpersönlich stammen; sehr handlich und mit gutem Design. Das gesamte verbaute Material zeichnet sich durch eine sehr gute Haltbarkeit und Beständigkeit aus, auch die Jumbo Frets sehen nach so vielen Jahren noch immer aus wie neu.

Die Brücke ist optisch sehr schön und perfekt gekerbt, alles passt haargenau und der Bass hat eine superfl ache Saitenlage, fast wie bei einer Gitarre – ein Traum. Das Instrument spielt sich „wie Butter“. Beim Aufl egen des Handballens bei der Plektrumtechnik stören keine nervenden und scharfkantigen Schrauben für die Höhenverstellung der Saiten. Diese werden hier über einen leicht schräg gestellten Holzblock geführt. Auf der Unterseite ist eine Art Dorn in einer Führung auf der Brückengrundplatte, damit nichts ungewollt verrutscht. Perfekt ist auch die am Brückenende gefräste Vertiefung in den massiven Korpus für die Ballends der Saiten. Der Body verfügt über ein geschmackvolles und nützliches Shaping, dessen Feinheiten für einen Gitarrenbauer-Neuling schon beachtlich sind. Ein großer Knaller erwartet einen noch bei unterschiedlichem Lichteinfall: Ungewöhnliche und wunderschöne Lichtreflexionen, einfach unbeschreiblich!

Die Eleganz geht auch auf der Korpusrückseite weiter. Hier werden die einzelnen notwendigen und praktischen Bauteile, wie Potis, Kondensatoren, Kabel etc., durch einen innen milchigen Feinschliff von außen nicht so leicht sichtbar. Der Humbucker wird rückseitig von einer Schraube gehalten. Besonders auch die vier abgerundeten Halsschrauben, deren Gegenstück/Mutter zum festziehen unter dem Schlagbrett sitzt. Der Hals sitzt perfekt in der Halstasche. Nirgendwo sind hier scharfe Kanten zu finden, alles fühlt sich angenehm rund an. Die beiden Alu-Potis sind sehr griffig und mit einer Positionslinie versehen: Ein schneller Blick zum Knopf und man weiß sofort, wie die Poti-Einstellung ist. Weiter gibt es ein Master Volume und ein Tonpoti. Dieser Tonregler regelt die zweite niederohmige Treble- Spule in Kombination mit einem Kondensator. Bei voll aufgedrehtem Poti arbeiten beide Spulen ohne Höhenverlust. Wenn der Regler zugedreht wird, ist nur die untere Spule des Humbuckers in Betrieb und erzeugt mit diesem Kondensator einen sehr bassigen Ton. Bei späteren Modellen wurde diese Schaltung durch einen zusätzlichen Kippschalter für unterschiedliche Kondensatoren ersetzt.

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An der schönen kleinen Kopfplatte befinden sich die fantastischen Grover-Mechaniken mit ihrer feinen Übersetzung – absolut stimmstabil. Das erdige Holzdesign des Formica-Schlagbrettes wurde auch auf der Kopfplatten-Vorderseite aufgeklebt und rundet dort das Gesamtdesign angenehm ab. Der Hals ist super bespielbar, besteht einteilig aus Ahorn mit einem dicken aufgeleimten Rosewood-Griffbrett und besitzt eine ausgeprägte D-Form. Unten am Halsende ist seitlich die Seriennummer durch den schönen durchsichtigen Korpus zu sehen. Die Nummern sind maximal vierstellig und haben zusätzlich vorne ein „D“ (für Dan) und hinter den vier Zahlen ein „A“ (für Armstrong). Der Humbucker war am Anfang der Produktion in braunem Plastik gegossen, später gab es auch einige Tonabnehmer in Schwarz, wie bei diesem abgebildetem Modell von 1970. An der Pickup-Oberfläche zeichnet sich im Laufe der Zeit deutlich die Spule ab, so entstehen neben dem durchgehenden Magneten links und rechts zusätzliche kleine Kanten. Viele Musikstile lassen sich auf diesen Ampeg- Bass spielen. Gezupft oder mit dem Plektrum, gerne dabei zusätzlich mit dem Handballen abgedämpft, klingt der Bass ausgezeichnet. Auch funky und mit leichtem Slapping kommt der Ampeg super rüber. Obwohl der Sound sehr an einen guten Stingray erinnert, klingt der Ampeg Dan Armstrong durchaus eigenständig und ist genau richtig für Bassisten, die auf der Suche nach dem besonderen Sound sind und auch optisch etwas anderes wollen.

Ich kann Dan Armstrong zu seinem Entwurf nur kräftig gratulieren. Schade, dass dieser Bass damals nicht ein so großer Erfolg war. Vielleicht war auch zu teuer? Denn günstig ist der durchsichtige Ampeg-Bass immer noch nicht! Aufgrund der sehr kurzen Bauzeit gibt es ja nicht gerade Unmengen von diesem Bass, daher wird im neuen Vintage Price Guide-Buch dieser Bass mit $ 3.000,– veranschlagt – zumindest in einem wie hier gezeigtem Zustand. Wer ihn besitzt, gibt ihn nicht mehr her, schätzt seinen schnellen Ton und seine Bespielbarkeit.

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Was mich sehr an dieser ganzen Geschichte erfreut ist, dass Dan Armstrong doch noch feststellen konnte, was für ein Bass-Juwel er da gebaut hat, da schließlich doch viele Musiker nach so einem Bass fragten und gern einen hätten. Deshalb haben Dan und Ampeg in den neunziger Jahren reagiert und in Japan eine Neuaufl age bauen lassen, die Dan auf der Namm Show in L.A. auch persönlich noch vorgestellt hatte. Obwohl bei der Reissue-Serie einige Details verändert wurden. Beim genauen Hinsehen und im Vergleich fallen doch paar Sachen auf, wie z.B. der neue unschön gefräste Pickup-Schacht über dem Tonabnehmer. So lassen sich die beiden mitgelieferten Tonabnehmer mit ein paar Handgriffen wechseln, aber vielleicht wollte Dan Armstrong auch nur seine alten Entwürfe nicht noch einmal exakt kopieren, um den Sammlern nicht die Freude an ihren geliebten alten Schätzchen zu nehmen. (Einige wenige Bässe gab es übrigens sogar mit schwarzem Plastik-Korpus.) Wir können ihn auch leider nicht mehr danach fragen, weil Dan Armstrong im Jahr 2004 in seiner Wahlheimat England verstorben ist.

Ich musste hier in meiner Rubrik bzgl. der Bilder zur Story auch neue Wege beschreiten. Dieser durchsichtige Bass wurde auf unserem roten Samtstoff unsichtbar. Auf der Suche nach einem geeigneten Hintergrund fiel der Blick dann auf die schlichte Steinwand – einfach, aber perfekt! Vielleicht sollten wir jetzt mal den roten Stoff langsam einmotten und nach neuen Hintergrundmotiven suchen, was meint ihr? Schreibt uns ruhig eure Meinung und Anregungen. Danke dafür!
Euer Bass Hunter!

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Hauptkategorie: BP 2/2011 - Ausgabe 59

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Der Einfluss von Saiten auf den Klang wird meist sehr unterschätzt. In der Regel nimmt man die Saiten, die einigermaßen günstig sind. Angesichts der Preise, die zum Teil für einen Satz Basssaiten aufgerufen werden, sicherlich auch ein naheliegender Weg. 13 Hersteller im Test.

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