fbook g   ftwi g

Mein Bass & Ich: Soundfiles

mbi_logo155

{audio}images/M_images/bp_magazin/2011_04/bp4_2011_mbi_pu_soundfiles/bp4_11_pickup_zu_nah.mp3{/audio}
Pickup zu nah

{audio}images/M_images/bp_magazin/2011_04/bp4_2011_mbi_pu_soundfiles/bp4_11_pickuphoehe_korrekt.mp3{/audio}
Pickup korrekt

{audio}images/M_images/bp_magazin/2011_04/bp4_2011_mbi_pu_soundfiles/bp4_11_slap_mit_gaffa.mp3{/audio}
Slap mit Gaffa

{audio}images/M_images/bp_magazin/2011_04/bp4_2011_mbi_pu_soundfiles/bp4_11_slap_ohne_gaffa.mp3{/audio}
Slap ohne Gaffa

{audio}images/M_images/bp_magazin/2011_04/bp4_2011_mbi_pu_soundfiles/bp4_11_sound_pu_nah_dran.mp3{/audio}
PU nah dran

{audio}images/M_images/bp_magazin/2011_04/bp4_2011_mbi_pu_soundfiles/bp4_11_sound_pu_weit_weg.mp3{/audio}
PU weit weg


6. Teil: Tonabnehmer-Special Teil 2

• 5. Teil: Tonabnehmer-Special
• 4. Teil: Saiten aufziehen
• 3. Teil: Einstellen der Brücke
• 2. Teil: Halseinstellung
• 1. Teil: Einstellen des Halswinkels

Hauptkategorie: Mein Bass und Ich

6. Teil: Tonabnehmer-Special

mbi_logo155Neben einer Veränderung der Humbucker-Verschaltung (für die man natürlich mit einem Lötkolben umgehen können sollte), lässt sich an einem Pickup nicht viel herumdoktern. Dennoch hat der eine Parameter, auf den man zugreifen kann, einen enormen Einfluss auf den Klang. Was sich nämlich schnell und bequem selber verändern lässt, ist der Abstand des Tonabnehmers zu den Saiten.


bp3_2011_st_mbi_pu11
Die meisten Tonabnehmer sind mit Holzschrauben im Korpus befestigt und bekommen ihren Gegendruck durch Federn oder untergelegte Gummistücke. Bei der Wahl der idealen Höhe spielen fünf Faktoren eine Rolle: Spielgefühl, Magnetanziehungskraft, Klang, Spielgeräusche und Balance der Saiten zueinander. Zunächst stellt man den Abstand von Saite zu Tonabnehmeroberseite so ein, dass die Anschlagsfinger sich in Bezug auf die „Eintauchtiefe“ wohlfühlen. Manch einer braucht für eine dynamische Spielweise hier richtig viel Luft; andere benutzen den Pickup als Begrenzung, um nicht zu sehr unter die Saite zu haken.

Hat man seinen Wohlfühlbereich gefunden, so muss man checken, ob die Saiten nicht zu sehr von den Magneten angezogen werden. Wäre dies der Fall, würden die Töne unsauber schwingen. In Extremfällen kann der Bass sogar schnarren, weil die Saiten von den Magneten immer nach unten auf das Griffbrett gezogen werden. Zur Überprüfung sollte man sich das Signal über Kopfhörer anhören. Dann spielt man mit lang ausklingenden Tönen die Saiten im Bereich des Griffbrett-Endes. Dadurch bringt man die Saiten am dichtesten über die Magneten. Speziell bei Magneten mit großen Durchmessern (z.B. beim Music Man) kann es schnell passieren, dass nun ein unreiner Klang zu hören ist. Der Ton „eiert“; es entsteht eine Art Chorus-Effekt. (Audio-Beispiel auf www.bassprofessor.de) Sollte man diese Anzeichen registrieren, muss der Pickup so lange tiefer geschraubt werden, bis alle Töne frei und sauber schwingen. Schlimmstenfalls ist nun die Einstellung für das gute Spielgefühl hinüber!

Der nächste Aspekt betrifft den Klang. Hat man nach oben und unten noch genug Spielraum, ohne dass das Spielgefühl und die Magnetkraft die Grenzen zu eng stecken, kann man durch herumprobieren den Klang auf subtile Weise beeinfl ussen. Dazu entfernt man tatsächlich erst einmal die Befestigungsschrauben, und bewegt den Pickup mit einer Hand in seiner Fräsung hoch und runter, während man dabei die Leersaiten anschlägt. Auf diese Weise kann man sich schnell ein umfassendes Bild von dem Potential machen, welches durch die unterschiedlichen Distanzen entsteht. Selbstverständlich ist das Signal in Saitennähe lauter – das sagt aber nichts über das eigentliche Klangvolumen aus. Schließlich kann man ja am Amp den Gain nachregeln. In der Regel ist das Klangbild bei größerem Abstand zur Saite ausgewogener und mittenärmer. In Saitennähe dominieren dagegen eher die tiefen Mitten. Durch das stärkere Magnetfeld können aber auch die fi ligranen Höhen besser erfasst werden (vergl. Soundbeispiele auf www.bassprofessor.de).

Nun kann es noch passieren, dass alles perfekt eingestellt ist, bei den ersten Slaps auf der E-Saite aber ein hässliches Klackgeräusch zu hören ist. In diesem Fall schlagen die Saiten bei großer Auslenkung auf die Tonabnehmer. Stehen die Magnete weit aus dem Gehäuse heraus, kann das zu ganz fiesen Signalen führen. Abhilfe kann man hier durch Abkleben der Magnete erreichen.

bp3_2011_st_mbi_pu01
Da dies aber optisch nicht der Hit ist, und nur eine Notlösung darstellt, kann man auch versuchen, den Spulenkörper tiefer in dem Gehäuse zu versenken. Dies funktioniert selbstverständlich nur, wenn diese beiden Bauteile nicht miteinander vergossen oder verklebt sind. Hat man die Kappe von dem Spulenkörper abgezogen, lassen sich nun Distanzstücke auf der Oberseite befestigen. Ein ganz einfacher „Do it yourself“-Trick ist das Anbringen von Streichhölzern zwischen den Magneten.

bp3_2011_st_mbi_pu03_1
Wem das zu schäbig ist, der kann auch Holz- oder Kunststoffl eisten neben den Magneten befestigen. Am elegantesten ist zweifellos die Verwendung einer zusätzlichen, aufgesetzten Magnetträgerplatte. Zumindest bei Jott-Bässen kann man sich diese relativ leicht besorgen – oder man hat noch einen alten Pickup in der Bastelkiste.

Sollte trotz dieser Maßnahmen noch immer ein unerwünschter lauter Impuls aus den Speakern kommen, ist die Pegelspitze des Slaps einfach zu hoch, sodass der Amp clipt. Hier hilft dann nur ein Versenken des Tonabnehmers im Bereich der tiefen Saiten.

Eine solche Kippmaßnahme kann aber auch notwendig werden, wenn die tiefen Saiten grundsätzlich lauter als die hohen sind. Die entsprechende Einstellung nimmt man idealerweise mit einem VU-Meter oder einer ähnlichen Pegelanzeige vor, da Lautstärkeunterschiede optisch besser zu kontrollieren sind. Voraussetzung ist dabei natürlich ein gleichstarker Anschlag. Was oft nicht bedacht wird, ist die Veränderung des Frequenzganges beim Einsatz von Onboard-Klangregelungen. Hebt man grundsätzlich an der Elektronik die Bässe an, werden die tiefen Töne trotz des gekippten Tonabnehmers auch wieder stärker betont. Also diese Einstellung möglichst unter realen (EQ-)Bedingungen durchführen! Für ein stimmiges Gesamtergebnis kann es auch interessant sein, bestimmte Ungleichgewichte zu forcieren. So sieht man häufi g bei Jott-Bass Pärchen, dass der vordere Pickup näher an der G-Saite ist, und der hintere PU zur E-Saite hin einen geringeren Abstand aufweist. Beim Zusammenmischen beider Signale erhält man so mehr Volumen bei den höheren Tönen und mehr Punch im tiefen Klangbereich.

Sollte dir das Klangergebnis trotz optimaler Einstellung des Pickups nicht gefallen, wäre es an der Zeit, über Austauschtonabnehmer nachzudenken. Da Pickups die am häufigsten ausgewechselten Bauteile bei Gitarren und Bässen sind, ist das Angebot entsprechend groß. Und da bei vielen Instrumenten in der Einsteigerklasse häufig an den Tonabnehmern gespart wird, lohnt sich der Austausch in den meisten Fällen, um seinen Bass klanglich auf eine neue Ebene zu heben.

bp3_2011_st_mbi_pu05
Damit du einen kleinen Überblick über diesen Markt bekommst, möchten wir dir mal die bekanntesten Anbieter vorstellen:

bp3_2011_st_mbi_pu10
Bartolini: Einer der ersten und bedeutendsten Hersteller von Replacement-Tonabnehmern. Erkennungszeichen der Pickups ist das geschlossene Gehäuse mit dem eingearbeiteten Firmennamen. Bartolini bietet für viele verschiedene Bassmodelle Pickups an. Diese häufi g auch noch in verschiedenen Klangrichtungen. Die Abnehmer sind in der Regel Humbucker – manche besitzen aber sogar einen Aufbau mit Einzelspulen für jede Saite. Die Pickups sind vergossen und sehr gut gegen Einstreuungen abgeschirmt.

bp3_2011_st_mbi_pu07
DiMarzio: Auch ein Hersteller der ersten Stunde. Die Modellpalette konzentriert sich auf Austauschtonabnehmer für Precision und Jazz Bässe, sowie für den Yamaha Billy Sheehan Bass. Die Pickups im Singlecoil-Format sind intern als Humbucker aufgebaut. DiMarzio ist auch Lieferant für die Sadowsky-Bässe.

bp3_2011_st_mbi_pu06_12er
EMG: Die ersten aktiven Tonabnehmer. In den Pickup-Gehäusen befi nden sich winzig kleine Preamps, die eine Klangformung unabhängig von der Pickup-Bauweise ermöglichen. EMGs sind unempfindlich gegenüber Störgeräuschen und dem Einfluss der nachfolgenden Elektronik- Bauteilen (Potis, Kabel, Eingangsimpedanz des Verstärkers).

bp3_2011_st_mbi_pu08
Seymour Duncan: Duncan bietet seit fünfunddreißig Jahren Replacement-Tonabnehmer an und gehört damit wie die bisher genannten zu den Pionieren. Sein Angebot ist in drei Gruppen unterteilt. Die Vintage-Serie beinhaltet perfekte Repliken alter Tonabnehmer. In der „Antiquity“- Ausführung werden diese auch noch technisch und optisch künstlich gealtert. Die Progressives- Linie umfasst verbesserte Tonabnehmer für bekannte Bassmodelle. Und unter der Cutting Edge-Bezeichnung werden moderne Eigenkonstruktionen angeboten.

Neben diesen bekannten amerikanischen Anbietern, deren Produkte auch mühelos in Deutschland erhältlich sind, möchten wir euch natürlich auch ein paar hiesige Anbieter vorstellen: Delano: Einer der ganz Großen hierzulande. Innerhalb kürzester Zeit ist es Reinhard Jedamzik (der früher die Clover-Bässe gebaut hat!) gelungen, seine Pickups enorm populär zu machen. So bietet er nicht nur Replacement-Tonabnehmer an, sondern ist Erstaustatter für so namhafte Hersteller wie Sandberg, Marleaux, Human Base, Maruszczyk und natürlich Clover.

Zu seinen innovativen Kreationen gehören Pund J-Abnehmer mit dicken Magneten à la Stingray, der Hybrid-Pickup mit kombinierter Music Man-und Jott-Bass-Technik, und der ovale Xtender-Tonabnehmer.

bp3_2011_st_mbi_pu09_loe
Bassculture: Wie Jedamzik hat auch Christoph Dolf von Bassculture vorher selbst Bässe gebaut. Aufgrund gestiegener Nachfrage konzentriert er sich inzwischen ebenfalls vollständig auf den Pickup-Bau. Dolf baut seine Abnehmer als spezielle Anfertigungen für Hotwire, Löwenherz, Maruszczyk, Mensinger und viele andere. Als Privatkunde kann man sich von ihm alle erdenklichen Pickups anfertigen lassen. Erkennungszeichen vieler Basscultures sind die Holzgehäuse.

bp3_2011_st_mbi_pu04_ri
Häussel: Harry Häussel hat sich durch seine Jott-Bass- und MM-Replacements einen Namen gemacht. Nach wie vor fertigt er sowohl Austauschtonabnehmer für die bekanntesten Bassmodelle an – kommt aber auch den ausgefallensten Kundenwünschen nach. Seine Pickups finden sich ebenfalls auf vielen Bässen wieder. Da er die Tonabnehmer aber unter einem anderen Label für einen nicht genannten Auftraggeber herstellt, gehört Häussel für die meisten noch zu einem Insider-Tipp.

Die Wahl eines neuen Tonabnehmers ist allerdings ein schwieriges Unterfangen. Da man die Produkte so gut wie nie in seinem Instrument ausprobieren kann, ist man auf die Informationen der Hersteller angewiesen.
Die technischen Daten sagen dabei leider nicht wirklich etwas über den Klang aus. Alles was einem tatsächlich für die Kaufentscheidung zur Verfügung steht, sind die meist vollmundingen Beschreibungen der Hersteller.
Wenn also mit bestimmten Werten für Induktivität, Kapazität, Gleichstromwiderstand und Resonanzfrequenz geworben wird, muss man sich nicht schämen, wenn man daran nicht die Klangeigenschaften erkennen kann. Genauso gut könnte man auch versuchen, aus der PS-Leistung, dem Leergewicht, dem Tankinhalt und dem Hubraum die Höchstgeschwindigkeit eines Autos zu bestimmen!
Ebenso wird dem Magnetmaterial und dem Wicklungsprozess in der Werbung meist viel zu viel Bedeutung beigemessen.
Dennoch unterscheiden sich Tonabnehmer aufgrund ihrer Gesamtkonzeption teilweise deutlich voneinander. Die beiden wichtigsten Faktoren sind dabei gerade die, die sich auch durch Austauschtonabnehmer nicht verändern lassen – Spulengeometrie und Einbauposition.
Die Spulengeometrie ist eng mit der Bauform verbunden. Ein Jott-Tonabnehmer ist beispielsweise schlank und hoch, wogegen ein Pi-Pickup breit und flach ist. Dadurch befi nden sich die Spulen jeweils zu anderen Anteilen im Magnetfeld. Man spricht dabei auch von einem magnetischen Fenster. Ist dieses schmal, wird nur ein kleiner Ausschnitt der Saitenschwingung eingefangen – ist es breit, werden sowohl Schwingungsberge als auch -Täler eingefangen. Dies führt zu Auslöschungen, was den Ton dunkler erscheinen lässt. Auch die Einbauposition ist durch den Erwerb eines bestimmten Instrumentes bereits vorgegeben. Das hier schon wenige Millimeter einen Unterschied machen können, beweist der Vergleich zwischen den Jott-Bässen aus den Sechzigern mit denen aus den Siebzigern. Bei letzterem befindet sich der Steg-Pickup etwa acht Millimeter weiter hinten, was sich in einem höhenreicheren und definierteren Klang widerspiegelt. Dieser Unterschied ist gravierender als der Unterschied zwischen Keramikmagneten und AlNiCo-Magneten!

Damit ihr aber auch wirklich mit allen eben gefallenen Begriffen etwas anfangen könnt, wollen wir euch einmal kurz alle Faktoren erklären:

■ Magnetmaterial: Verwendet werden in der Regel Magnete aus Aluminium/Nickel/Cobalt-Legierungen (AlNiCo), Keramik und NdFeB (Neodym). Je stärker ein Magnet ist, desto weiter muss er von den Saiten entfernt sein, um diese nicht anzuziehen (Starke Magnete befinden sich daher meistens in Form eines Barrenmagneten unter der Spule).

■ Induktivität (L): Sie beschreibt das elektrische Verhalten der Spule. Angegeben wird sie mit der Maßeinheit Henry (H). Die Induktivität ist abhängig von der Anzahl der Wicklungen, der Spulengeometrie – aber auch von der Beschaffenheit der Magnete. Je niedriger der Wert, desto höhenreicher klingt der Pickup.

■ Kapazität (C): Sie beschreibt das Verhältnis von elektrischer Spannung zu dem elektrischen Fluss. Die Maßeinheit ist Farad (F). Meist wird der Wert errechnet, da eine tatsächliche Messung sehr kompliziert ist. Die Kapazität eines Tonabnehmers ist nicht von allzu großer Bedeutung, da die Kapazität eines Gitarrenkabels meist einen erheblich höheren Wert aufweist.

■ Gleichstromwiderstand (R): Wird in Ohm angegeben. Zwar lässt sich der Gleichstromwiderstand der Spule messen, doch ist dieser Wert uninteressant, da ein Tonabnehmer Wechselstrom produziert, sobald eine Saite angeschlagen wird. Die dann entstehenden Werte sind abhängig von der Tonhöhe. Immerhin gibt es eine Abhängigkeit von Gleich- zu Wechselstromwiderstand, die allerdings keine verwertbaren Rückschlüsse auf den Klang zulässt. Die Angaben in den Datenblättern lassen aber zumindest erkennen, ob es sich um einen hochohmigen (ca. 6 – 12 kOhm) oder um einen niederohmigen (weniger als 1 kOhm) Pickup handelt.

■ Resonanzfrequenz (f res): Die Angabe erfolgt in Hertz (Hz). Ein Tonabnehmer ist im Prinzip ein sogenannter Tiefpassfi lter. Tiefe Frequenzen werden ungehindert übertragen – hohe Frequenzen ab einer bestimmten Grenzfrequenz nicht mehr. Unterhalb dieser Grenzfrequenz entsteht bedingt durch die Induktivität und der Kapazität ein Schwingkreis mit einer deutlichen Frequenzüberhöhung. Diese Eigenresonanz ist für den Klang des jeweiligen Pickups maßgeblich verantwortlich. Je höher die Resonanzfrequenz ist, desto heller und klarer klingt auch der Pickup. Tiefere Frequenzen bewirken dagegen eher einen charaktervolleren Ton. Ein Jott-Bass-Pickup hat etwa eine Resonanzfrequenz von 5 Kilohertz. Bei einem Stingray-Tonabnehmer liegt diese bei ca. 10 Kilohertz.

In der nächsten Folge werden wir uns mit passiven und aktiven Elektroniken beschäftigen, die auch einen starken Einfluss auf das Wiedergabeverhalten der Tonabnehmer besitzen. Außerdem gibt es noch Tipps zu den Verschaltungsmöglichkeiten von Pickups.

Hauptkategorie: Mein Bass und Ich

4. Teil: Saiten aufziehen

mbi_logo155Früher oder später erwischt es uns alle einmal – es sei denn, man baut ganz im Geiste von St. James Jamerson seine ganze Karriere auf einem einzigen Satz Saiten auf. Je nach verwendeten Saiten, angestrebtem Sound und persönlichem Geschmack bleiben sie bei uns Tieftönern und Tieftönerinnen zwischen einem Gig und einem Jahr auf dem Instrument. Von Jack Bruce ist gar bekannt, dass er im Studio schon mal vor jedem Take die Saiten wechselt....

4. Teil: Saiten aufziehen
Fangen wir mit dem Saitenaufziehen mal da an, wo wir mit der letzten Folge aufgehört haben: an der Brücke. Hier finden wir prinzipiell drei Möglichkeiten vor, die Saiten aufs Instrument zu bringen. Entweder müssen oder können sie durch den Korpus gezogen werden, bevor sie durch Löcher in der Brückengrundplatte Richtung Saitenreiter gelangen, sie werden von oben eingehängt, oder – seit Ende der Fünfziger sicher der geläufigste Weg – von hinten in die Brücke eingefädelt.
Das ist wichtig für die Wahl der richtigen Saite, denn wenn die Saiten zuerst durch den Korpus sollen muss darauf geachtet werden, dass sie auch lang genug sind! Auch wenn der Bass eine normale Mensur hat, kann der zusätzliche Weg Saiten für längere Mensur nötig machen, denn nicht bei allen Longscale-Saiten ist die spielbare Wicklung ausreichend.

4. Teil: Saiten aufziehen

4. Teil: Saiten aufziehen
Was brauchen wir an Werkzeug? Nicht viel – einen Seitenschneider und eine Zange, oder besser: gleich eine Kombizange. Falls dergleichen noch gekauft werden muss: Nehmt nicht das billigste Werkzeug! Eine Basssaite ist gar nicht mal so dünn, und billige Seitenschneider verschlucken sich daran gerne und mögen dann gar nichts mehr durchkneifen. Also besser nicht das 28-teilige Set für einen Fünfer, denn für 10,– bis 20,– Euro bekommt man Werkzeug, das ewig mitgeht – wenn man es nicht gerade verliert!
Je nach Neigung leistet auch ein Stimmgerät gute Dienste. Am besten führt man alle Arbeiten auf einer festen Unterlage durch, damit man beide Hände frei hat, ein Küchentisch leistet meist gute Dienste! Nützlich ist dabei auch eine Halsablage, die die Kopfplatte hoch hält, wie es sie z.B. von Planet Waves als Headstand oder von Dunlop als Neck Cradle gibt. Die Low-Tech Variante wäre das eine oder andere dicke Buch. Achtet in diesem Fall aber auf eine sichere Lage eures Basses!

4. Teil: Saiten aufziehen
Fangen wir mal mit einer höchst praktischen Variante an, die sich auch im „BASS MUSEUM“ dieser Ausgabe fi ndet: dem Headless-Bass. Auch wenn sich diese Bauform nicht so durchgesetzt hat wie es manch einer in den 80ern vermutet haben mag, werden sie doch neu und gebraucht noch verkauft. Saiten zu wechseln kann jedenfalls nicht einfacher sein als hier: Oben hinter dem Nullbund am Saitenhalter einhängen, das andere Ende in den Schlitten der Stimmmechanik einlegen und hochstimmen. Das ist so schnell erledigt, dass man theoretisch den ganzen Satz wechseln kann, während der Sänger wieder eine seiner länglichen Ansagen macht. Werkzeug ist auch nicht vonnöten, nur logischerweise passende Double Ball-Saiten, die an jedem Ende ein Ballend haben.

4. Teil: Saiten aufziehen

4. Teil: Saiten aufziehen
Aber die meisten von uns werden es wohl mit der gewohnten Kombination aus Brücke auf dem Korpus und Mechaniken an der Kopfplatte zu tun haben. Hier müssen erst einmal die alten Saiten runter. Eine an der Brücke eingehängte Saite kann einfach entspannt und abgenommen werden, ein sehr relaxtes Prozedere. Ist sie durch die Brücke oder durch Brücke und Korpus gefädelt, wird sie entspannt und durchgekniffen. Ich empfehle, dies über dem Griffbrett zu tun, damit keine Metallsplitter in die Nähe der Pickups kommen. Das kann unter Umständen ungewollte Kontakteschließen und einen Tonabnehmer lahmlegen. Der hintere Teil der Saite wird dann vorsichtig nach hinten herausgezogen.
Um den Korpuslack beim Ausfädeln aus der Brücke zu schützen, kann man entweder ein Tuch hinter die Bridge legen oder besser ein, zwei Streifen Kreppklebeband aufkleben. Das aber bitte vorher einige Male auf der Jeans aufkleben und wieder abziehen, um die Haftung zu vermindern. Damit verhindert man zuverlässig, dass beim Abziehen plötzlich Lack am Krepp pappen bleibt.

4. Teil: Saiten aufziehen
Soll die Saite beim Abnehmen heile bleiben, nimmt man sie aus der Mechanik und zieht das aufgewickelte Ende vorsichtig wieder lang, um sie dann besser durch die Brücke bugsieren zu können. Auf diese Weise kann sie als Ersatz beiseite gelegt werden, oder um auf einem anderen Instrument noch einmal zum Einsatz zu kommen.

4. Teil: Saiten aufziehen
So, Vorbereitung beendet, jetzt kann die neue Saite drauf! Die liegt meistens zusammengerollt in der Packung. Haltet die Saite beim Entrollen weit genug vom Körper weg, damit eines der Enden nicht ins Auge geht! Die Fraktion der Brückeneinhänger ist fein raus, denn sie tut eben dies und ist mit diesem Teil des Aufziehens schon fertig. Alle anderen müssen die Saite vorsichtig durch die Brücke oder den Korpus fädeln. Achtet darauf, dass die Saite bis zum Ende durchgezogen wird und das Ballend direkt an der Brücke anliegt.

4. Teil: Saiten aufziehen
Ballend falsch

4. Teil: Saiten aufziehen
Ballend richtig

4. Teil: Saiten aufziehen
Praktisch alle Bassmechaniken haben in der Mitte der Wickelachse ein Loch, in dem das Saitenende verschwindet. Also einfach einstecken und drehen, bis die Saite stramm ist? Lieber nicht!

4. Teil: Saiten aufziehen
Statt eines dicken Knäuels sollen nämlich am Ende nur zwei bis drei Wicklungen auf der Achse sein. Dazu ein kurzer Blick auf typische Stimmmechaniken:
■ gerade Wickelachse: Hier geht es zylindrisch von oben nach unten durch, meist mit dicker Achse bei Vintage(artigen)-Mechaniken.

4. Teil: Saiten aufziehen
■ konkave Wickelachse: Diesen Typ gibt es in unterschiedlicher Ausprägung mit dicker wie dünner Achse. Hier ist die Mitte am dünnsten, zum Ende und zur Kopfplatte wird die Mechanik dicker.

4. Teil: Saiten aufziehen
■ konische Wickelachse: Das dünnste Ende der Mechanik findet sich nahe der Kopfplatte, nach oben wird sie kontinuierlich dicker.

4. Teil: Saiten aufziehen
Ein bisschen Mathematik gefällig? Eine typische große Wickelachse hat einen Durchmesser von 14 Millimeter. Das ergibt einen Umfang von knapp 44 mm (14 x Pi). Eine Gotoh-artige hat 11 mm, das gibt gut 34,5 mm Umfang, die Schaller M4 mit 8 mm kommt auf gut 25 mm.
Für eine Kluson-Mechanik, wie auf alten Fender- Bässen zu finden, benötigen wir also etwa 9 cm, um die Saite zweimal um die Wickelachse zu bekommen. Aber halt – noch nicht abknipsen! Nachdem wir festgestellt haben, wie viel Saite überstehen muss (im Fall der E-Saite ist das bei Fender-Bässen ca. bis hinter die D-Mechanik) wird das übrige Ende mit der Zange sauber und rechtwinklig nach unten gebogen.

4. Teil: Saiten aufziehen
Jetzt erst wird etwa zwei Zentimeter unterhalb des Knicks abgekniffen.

4. Teil: Saiten aufziehen
Warum dieser Umweg? Ohne den Knick kann es passieren, dass sich die Wicklung der Saite vom Kern löst. Ergebnis ist dann trotz neuer Saite einundefinierbares Schnarren in jeder Lage sowie ein deutlich verkürztes Sustain. So, nun aber das Ende von oben in die Wickelachse eingesteckt und hochgestimmt. Dabei ist auf zwei Dinge zu achten: Zum einen darf die Saite nicht in sich verdreht werden, zum anderen muss immer eine Lage unter der anderen liegen. Ersteres führt sonst dazu, dass die Saite nicht frei schwingen kann, kürzeres Sustain und unter Umständen auch noch schlechtere Intonation aufweist. Letzteres sorgt dafür, dass die gestimmte Saite am Ende möglichst dicht an der Kopfplatte zu liegen kommt. So ist ein gesunder Druck auf den Sattel möglich, ohne den es an dieser Stelle gerne schnarrt. Das ist ganz typisch bei der A-Saite von klassischen Fender-Bässen, die einen relativ langen Weg zur Mechanik hat, ohne Hilfe durch einen Niederhalter.

4. Teil: Saiten aufziehen
Bei seiner neuen Firma Music Man – und später bei seiner letzten Firma, G&L – nahm sich Leo Fender dieses Problems an und ließ bei Schaller Mechaniken fertigen, deren Wickelachse zur Kopfplatte dünner wurde und so die Saite beim Aufziehen automatisch runterzog. Das machte den Niederhalter zwar nicht überflüssig, sorgte aber gerade bei besagter A-Saite für den nötigen Andruck.

4. Teil: Saiten aufziehen
Noch sind wir nicht ganz fertig mit dem Aufziehen der Saite. Gerade die tiefen, dicken Saiten sind so steif, dass sie in einem Bogen über Sattel laufen und wiederum mit einem Bogen über die Saitenreiter laufen. Sie nur zu stimmen reicht nicht, um sie geradezuziehen. Also drücken wir die Saite vorsichtig, aber bestimmt im ersten Bund und direkt vor der Brücke herunter, damit sich eine gerade Linie von Auflagepunkt zu Auflagepunkt ergibt. So wird vermieden, dass die Saite schwammig und undifferenziert klingt und nicht sauber intoniert.

4. Teil: Saiten aufziehen

4. Teil: Saiten aufziehen
Und nun auf ein Neues – die nächste Saite wartet! Über die Frage: „Alle Saiten auf einmal wechseln oder eine nach der anderen?“ wird teilweise vehement gestritten. Ich halte es so: Ist sowieso eine Griffbrettreinigung angeraten, nehme ich alle Saiten runter, das macht die Pflege deutlich einfacher. Ist das nicht nötig, wechsele ich eine nach der anderen. Grundsätzlich sind Basshälse und deren Stahlstäbe aber so stabil, dass ein Wechsel von Spannung/Entspannung/Spannung diese nicht aus der Bahn werfen dürfte.
Noch ein Tipp für die ganz eiligen: Oft sehe ich es, dass das abgewinkelte Ende ins Loch in die Wickelachse gesteckt wird, danach wird die Saite von Hand um die Achse gelegt und dann gestimmt – spart einige Umdrehungen der Mechanik! Soweit gut, nur verdreht man damit unter Garantie die Saite in sich. Bei Bässen, bei denen die Saiten durch den Korpus gezogen werden, sollte man auf diese Methode gänzlich verzichten. Muss es wirklich mal schnell gehen, so sollte die Saite, sobald sie locker aufgezogen ist, einmal Richtung Brücke gezogen werden, so dass sich das Ballend von der Bridge lösen und drehen kann. Dann klappt‘s auch wieder mit dem freien Schwingen!

4. Teil: Saiten aufziehen
Apropos Ballend: Bei manchen Saiten sind sie so klein, dass sie bei manchen Brücken einfach durch die Bohrung rutschen. Abhilfe schaffen da Unterlegscheiben, die vor dem Durchfädeln auf die Saite gezogen werden.

4. Teil: Saiten aufziehen
Etwas Handgymnastik ist angesagt, wenn das Ballend nicht in der Brücke eingehängt bleiben mag: Die Saite durch die rechte Hand führen und dadurch leicht auf Zug halten, dabei mit dem rechten Zeigefinger zur Mechanik führen. Alternativ kann man sich mit einem Kapodaster behelfen, mit dem man die Saite leicht strammgezogen fixiert und dann in aller Ruhe aufwickelt.

24_handgymnastik

25_kapodaster
Zu guter Letzt noch ein Wort zur Anzahl der Wicklungen. Die ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Bei sehr kurzen Wickelachsen sind drei Windungen vielleicht schon zuviel, andererseits können sehr dünn auslaufende Saiten ruhig einen Schlag mehr vertragen, um die Saite ausreichend nah an die Kopfplatte zu bringen.

4. Teil: Saiten aufziehen
Gut aufgezogene Bass-Saiten auf einem gut eingestellten Bass sind die beste Basis für einen guten Ton und maximalen Spielspaß! Wir hoffen, ihr könnt mit unseren Tipps Fehler und unerwünschte Effekte vermeiden und so das Beste aus euren Drähten rausholen.

In der nächsten Folge werden wir uns Tonabnehmern und Elektroniken widmen.
Fragen und Anmerkungen könnt ihr gerne wieder an service(at)bassprofessor.de richten.

Hauptkategorie: Mein Bass und Ich

5. Teil: Tonabnehmer-Special

mbi_logo155Wer die Reihe „Mein Bass und ich“ von Anfang an mitverfolgt hat, weiß nun, wie sein Bass mechanisch funktioniert und wie das Instrument optimal eingestellt wird. In der letzten Folge haben wir euch zudem gezeigt, wie man einen frischen Satz Saiten richtig aufzieht.
In den nächsten drei Ausgaben widmen wir uns der elektrischen Ausstattung eurer Bässe. Beginnen wollen wir mit einem Überblick über alle gängigen Tonabnehmer – stellen sie doch sozusagen das Herzstück eines Basses dar. Schließlich werden hier ja die Saitenschwingungen in elektrische Signale umgewandelt.

In diesem ersten Special des Workshops wollen wir euch zunächst einmal erklären, wie Tonabnehmer überhaupt funktionieren, und welchen Einfluss die verschiedenen Bauformen haben.

Singlecoils
Ein Tonabnehmer in seiner einfachsten Form ist zunächst einmal nichts anderes als ein elektromagnetischer Wandler. Die Saitenschwingung wird dabei in eine Wechselspannung umgewandelt. Das Funktionsprinzip ist folgendes: Um einen Permanentmagneten (mit Nord- und Südpol), der ein Magnetfeld erzeugt, wird eine Spule aus lackiertem Kupferdraht gewickelt. Bewegt sich nun eine Saite in diesem Magnetfeld, wird dieses verformt und erzeugt analog zur Saitenschwingung über die Spule eine entsprechende Spannung. Ein solcher Tonabnehmer nennt sich „Singlecoil“, Einspuler, da hier nur eine Spule zum Einsatz kommt.
Die gängigste Bauform ist eine Spule mit zylinderförmigen Stabmagneten. Diese Ausführung finden wir beispielsweise beim ersten serienmäßigen Elektrobass, dem Fender Precision von 1951 – 57.

Bass Professor. Mein Bass und ich Teil 5: Tonabnehmer
Noch bekannter dürfte aber der Fender Jazz Bass sein, dessen Tonabnehmermagnete paarweise pro Saite angeordnet sind. Dadurch konnte das Magnetfeld zum Einfangen größerer Saitenauslenkungen deutlich verbreitert werden. Außerdem war der Anschlagsimpuls der Einzelmagnete so stark, dass es bei den damaligen Amps häufig zu Lautsprecherschäden kam.

bp2_2011_mbi_pus_02
Es gibt aber auch Tonabnehmer, die gleich einen einzigen durchgehenden Magneten verwenden. Diese werden als Barrenmagnete oder Magnetklingen bezeichnet. Eine solche Bauform findet sich z.B. bei den Bässen von Paul Reed Smith, aber auch auf den klassischen BB-Bässen von Yamaha wieder.

bp2_2011_mbi_pus_03
Bei vielen Tonabnehmern befi nden sich die Magnete auch unter dem Spulenkörper. Das Magnetfeld wird dabei durch Weicheisenstifte gestaltet, die anstelle der sonst üblichen Polstücke in der Spule sitzen. Häufi g werden dafür Schrauben verwendet, mit denen man die Lautstärke der einzelnen Saiten abgleichen kann. Einen solchen Pickup findet man beispielsweise auf dem SB-2 Bass von G&L.

bp2_2011_mbi_pus_04
Der große Nachteil eines Singlecoils ist, dass er sehr nebengeräuschempfindlich ist. Störfelder wie Netztrafos, Computerbildschirme und Leuchtstoffröhren verursachen ein deutlich vernehmbares Brummen, da die Spule gleichzeitig wie eine Antenne funktioniert. Dafür liefern Einzelspulen jedoch auch einen sehr klaren und puren Klang. Für die Pickup-Hersteller ist es daher eine große Herausforderung, einen Tonabnehmer zu bauen, der zwar die positiven Klangeigenschaften eines Singlecoils besitzt, gleichzeitig aber brummfrei arbeitet.

Humbucker
Damit wären wir bei dem nächsten Tonabnehmer- Typ – dem Humbucker. „Humbucking“ bedeutet übersetzt nichts anderes als „brummunterdrückend“. Dies kann in der Ausführung auf vielfache Weise umgesetzt werden. Das Funktionsprinzip ist dabei aber immer das gleiche: So werden grundsätzlich zwei Spulen verwendet, die gegenphasig zusammengeschaltet werden. Dadurch löschen sich einfallende Störgeräusche gegeneinander aus.


bp2_2011_mbi_pus_spulen
Damit die Saitenschwingung nicht auch noch ausgelöscht wird, besitzen die Magnete in einer Spule eine andere Polarität als in der anderen. Durch die doppelte Verpolung (einmal Spule, einmal Magnet) wird das Nutzsignal wieder vollständig übertragen.
Der bekannteste frühe Humbucker wurde 1955 von Lover und Fuller im Hause Gibson erfunden. Ihre Version bestand aus zwei nebeneinander liegenden Einzelspulen. Auf einem Gibson-Bass fand man einen brummunterdrückenden Pickup aber erst 1959, als der EB-0 mit einem „Mudbucker“ mit Polschrauben in der Mitte und links und rechts liegenden(!) Spulen ausgestattet wurde.

bp2_2011_mbi_pus_05

bp2_2011_mbi_pus_06
Bei Fender stellte man den Precision ab 1957 auf Humbucker um. Statt des Doppelspulen-Pickups kam aber hier die geniale Splitcoil-Technik zum Einsatz. So gibt es eine Spule für die G- und D-Saite und eine Spule für die A- und E-Saite. Diese sind ebenfalls gegenphasig zusammengeschlossen. Obwohl keine der Saiten über zweiSpulen verläuft, ist die Polarität der Magnete ebenfalls entgegengesetzt.

AM ANFANG WAR DER PICKUP... Gibson hätten die ersten sein können: 1924 experimentierte der geniale Ingenieur und Entwickler Lloyd Loar mit elektrostatischen Abnehmern, auch bei Bass-Instrumenten, aber Gibson mochte sie nicht produzieren. Die Wege trennten sich und es ist leider auch nichts erhalten geblieben.


Der erste kommerziell verwertete magnetische Tonabnehmer war der Horseshoe-Pickup von Rickenbacker, der 1931 auf einer der damals sehr populären Lap-Steel-Gitarren verbaut wurde – als „Frying Pan“ (engl. für „Bratpfanne), die erste serienmäßig gebaute E-Gitarre. Die Polstücke wurden von zwei hufeisenförmigen Magneten magnetisiert, die die Saiten vollständig mit einschlossen Dieser Typ fand sich später auch auf dem legendären Rickenbacker 4000-Bass (1957, siehe Rickenbacker-Story im BASS PROFESSOR 2/09). Schon 1936 baute die Firma damit einen elektrischen Kontrabass, der den heutigen Electric Upright Bässen (kurz EUBs) nicht unähnlich war.

Bald gab es auch andere Firmen, die Tonabnehmer bauten, mit den Magneten unter den Saiten, wie wir es bis heute kennen. Das waren auch in der Frühzeit schon gelegentlich Klingen, wie beim als „Charlie Christian“ bekannten Gibson-Abnehmer von 1936, der von unten magnetisiert wurde. Auch die berühmte Merle Travis-Gitarre von Paul Bigsby hatte einen Pickup mit Klingen- oder Bar-Magnet. Das war 1948, und es wundert nicht, dass diese Entwicklung auch eine Inspiration für einen im Bau von Verstärkern und Lap-Steels erfahrenen Mann darstellte, der gerade seine erste reguläre E-Gitarre entwarf: Leo Fender.

Fender brachte bekanntlich 1950 die Esquire-Gitarre (mit einem Pickup) heraus, der noch im selben Jahr eine Version mit zwei Pickups folgte, die zunächst Broadcaster und später dann Telecaster hieß. Schon 1951 machte Leo den für uns großen Schritt. Zwar hatte bereits ca. 1936 Paul Tutmarc einen elektrischen Bass herausgebracht, der wie unsere gewohnten Bässe horizontal gespielt wurde, aber ein Einfl uss auf die Musikwelt ist nicht zu verzeichnen. Ganz anders der Precision Bass von 1951: Ob in der Ur-Version mit einem Pickup ähnlich dem Stegpickup der Telecaster, nur mit vier Magneten und ohne die metallene Bodenplatte, oder mit dem zweigeteilten und damit brummfreien späteren Abnehmer (der trotzdem nur EIN Tonabnehmer ist) – oder gar mit dem 1960 vorgestellten „Cadillac Modell“, dem Jazz Bass mit zwei Tonwandlern, fest steht: Fender-Bässe haben Musikgeschichte geschrieben und uns alle auf den Weg gebracht.



bp2_2011_mbi_pus_07
1960 wurde der Fender Jazz Bass vorgestellt, der zwei weit auseinander liegende Singlecoils mit auf den Weg bekam. Da die beiden Spulen aber gegenphasig gewickelt sind und die Magnete ebenfalls gegenpolig eingesetzt werden, bilden die beiden Einspuler beim gemeinsamen Betrieb auch wieder einen Humbucker.

bp2_2011_mbi_pus_08
Der bekannteste Humbucker mit zwei direkt nebeneinander liegenden Spulen dürfte wohl der fette Pickup des 1976 vorgestellten Stingray-Basses von Music Man sein. Neben seiner enormen Breite sind es vor allem die dicken Magnete, die den Tonabnehmer so besonders machen.

bp2_2011_mbi_pus_09
Trotz des extrem starken Magnetfeldes ist der Pickup nicht sonderlich ausgangsstark. Anders als bei den meisten Humbuckern sind die Tonabnehmerspulen nämlich nicht in Reihe, sondern parallel zusammengeschaltet. Was es mit diesen Begriffen auf sich hat, seht ihr in der Grafi k. Bei einer parallelen Verschaltung werden die Spulenenden und die Spulenanfänge zu Paaren zusamengefasst und dann mit Plus und Masse verbunden. Bei einer seriellen Verdrahtung werden die Spulen hingegen zu einem langen Draht addiert.

bp2_2011_mbi_pus_spulen2
Ein weiterer legendärer Bass, bei dem die Spulen parallel verdrahtet wurden, ist der Ken Smith. Die von Kent Armstrong gefertigten Tonabnehmer besitzen zudem einen Aufbau mit schraubbaren Polepieces.

bp2_2011_mbi_pus_10
Eine Alternative zu den nebeneinander liegenden Spulen stellt der sogenannte „stacked Humbucker“ dar. Dabei liegt die zweite Spule unter der tonabnehmenden Spule. Auch hier löschen sich die störende Einstreuungen durch die anders herum gewickelte Zusatzspule aus. Da sie sich aber im gleichen Magnetfeld wie die obere Spule befinden würde, muss sie möglichst vollständig von diesem abgeschirmt werden. Ansonsten käme es zu unerwünschten Phasenproblemen. Im Prinzip handelt es sich also um eine Dummy-Spule.
Wenn das Singlecoil-Format keine Rolle spielt, muss diese Dummy-Spule nicht zwangsläufig unter dem Pickup eingebaut werden. So findet man sie beispielsweise auch neben der eigentlichen Spule. Bekannteste Vertreter dieser Variante sind der Sterling-Bass von Music Man, der alte Nathan East-Bass von Yamaha, aber auch der Ibanez ATK bis 2010.

bp2_2011_mbi_pus_11
Manche Hersteller lagern die Dummy-Spule aber auch vollständig aus. Pioniere dieser Technik sind Alembic, die ihre Bässe bereits in den Siebzigern mit zwei Singlecoils und einer Blindspule bestückt haben. Der etwas kleinere Dummy befi ndet sich dabei deutlich sichtbar zwischen den beiden eigentlichen Tonabnehmern.

bp2_2011_mbi_pus_12
Ein Es gibt aber auch Hersteller, die die Blindspule einfach im E-Fach untergebracht haben. Vorteilhaft bei der Dummy-Technik ist, dass der Klang von Singlecoils weitestgehend erhalten bleibt. Anders sieht es da schon bei den Doppelspulen-Pickups aus. Da diese ein größeres Abtastfeld besitzen, kommt es zwangsläufig zu Auslöschungen im Frequenzgang. Außerdem ändert sich der Impedanzwert beim Zusammenschalten zweier Spulen. Werden die Tonabnehmer parallel verdrahtet, halbiert sich der Wert im Vergleich zu der einzelnen Spule. Bei serieller Zusammenschaltung hingegen verdoppelt sich der Wert. Diese Faktoren haben natürlich immer auch Einfluss auf den Klang.

Jetzt habt ihr schon einmal einen ganz guten Überblick über die gängigen Tonabnehmertypen.

In der nächsten Ausgabe kommen wir dann zum praktischen Teil. In den meisten Fällen befinden sich an so einem Pickup nämlich irgendwelche Schrauben – und das heißt, dass man hier auch wieder etwas einstellen kann. Genau richtig also für unseren Workshop!


Hauptkategorie: Mein Bass und Ich

3. Teil: Einstellen der Brücke

mbi_logo155Willkommen zur dritten Folge unseres Workshops auf dem Weg zum perfekt eingestellten Bass. In der ersten Folge haben wir dir den idealen Anstellwinkel des (Schraub-)Halses am Korpus erklärt. In der zweiten Folge warfen wir einen Blick auf die Halseinstellschraube und haben ausführlich erläutert, was es mit dem Halseinstellstab auf sich hat und wie man diesen bestmöglich anpasst. In der aktuellen Folge wollen wir uns nun mit dem Einstellen der Brücke beschäftigen.

ets_3d_1_550
Die E-Bass Brücke ist ein echtes Multifunktionstalent. Moderne Konstruktionen lassen sich in drei verschiedene Richtungen einstellen (man spricht hier von „dreiminensional“). Aus diesem Grund haben wir hier eine ETS-Bridge abgebildet, die auf einem hübschen Waja-Bass montiert wurde. „Dreidimensional“ bedeutet folgendes:

  1. Man kann den Saitenreiter nach vorn und hinten bewegen. Damit stellt man die Oktavreinheit ein.
  2. Mittels der Madenschräubchen kann man die Saitenhöhe festlegen. Dazu dienen die Schräubchen in den Reitern, die man von oben bedienen kann.
  3. Schließlich kann man einstellen, ob man die Saite etwas nach links oder rechts schieben möchte. Bei dieser Bridge wird dies durch von vorn zugängliche Schräubchen ermöglicht. (Dazu später mehr!)

bsp_einteilig_2d_zon_550
Im Gegensatz dazu stehen zweidimensionale Brücken – wie bei diesem Zon-Bass. Bei zweidimensionalen Brücken kann man die Abstände der Saiten zueinander (Stringspacing) nicht einstellen. Stattdessen wurde diese seitens des Herstellers beim Bau des Instrumentes festgelegt. Eine zweidimensionale Bridge muss aber kein Nachteil sein, wenn der Bass von vornherein richtig konzipiert wurde. So kann man beispielsweise auf den meisten Fender-Bässen das Stringspacing ebenfalls nicht einstellen.

Gibt es auch eindimensionale Bridges?

Auf Akustikbässen findet man sie des öfteren: die eindimensionale Brücke. Hier lässt sich weder der aufgeleimte Steg nach vorne und hinten bewegen, noch kann man die Stegeinlage in der Höhe verstellen.
Wir haben nachfolgend die gängigsten Brücken unter die Lupe genommen und beschreiben euch, wie man die verschiedenen Einstellungen an der jeweiligen Brücke vornimmt. Wir beginnen mit den einfachsten Varianten und schrauben uns durch bis zur modernen Hitech-Bridge.

Der Klassiker – die einteilige 2-D Brücke

fender_vintage_1_550
Alles begann im Jahr 1951, als von Fender der erste Precision Bass vorgestellt wurde. Wie man sieht, liefen jeweils zwei Saiten über eine Rolle aus Bakelit – beim Fender-Prototypen sogar aus noch aus Holz! Dies hatte natürlich den Nachteil, dass man die Oktavreinheit nie 100%ig einstellen konnte. Allerdings war der erste Fender eben schon mit einer brauchbaren Bridge ausgestattet. Glückwunsch an Fender – richtig gemacht!

fender_vintage_2_550
Da neben dem Kontrabass auch Fenders erste E-Gitarre Pate stand bei der Entwicklung des Ahnen aller E-Bässe, zog Fender die Saiten durch den Body – genial einfach gelöst! Bis heute gibt es Bassisten, die darauf schwören, die Basssaiten durch den Body zu fädeln. Einen direkten klanglichen Unterschied kann man jedoch in der Regel nicht feststellen. Einige Instrumente bieten sogar beide Möglichkeiten. Somit bleibt es jedem selbst überlassen, ob man die Saiten durch den Body fädelt oder an der Brücke befestigt.

fender_lwinkel_1957_550
Erst die Folgekonstruktion von 1957, der sogenannte L-Winkel mit vier separaten Reitern, machte eine wirklich effektive Justage möglich. Den klassischen Einteiler findet man bis heute auf den meisten Fender-Bässen vor. Als Beispiel dient hier ein Fender Jazz Bass von 1975. Diese Bridge ist wohl die am meisten verbaute überhaupt, denn sie ist günstig herzustellen und funktioniert in (fast) allen Lebenslagen.

fender_blechwinkel_seitl_verbo_jb_1975_550
Da die Saiten direkt durch den Blechwinkel gezogen werden, passierte es oft, dass sich die Bridge verbog, so wie hier zu sehen. Meist lag das am starken Zug der E-Saite. Doch muss auch dies kein wirklicher Nachteil sein, sofern die Brücke dennoch hält.

fender_jazz_bass_1973_2_550
Um die Wahl des eigenen Stringspacings doch noch zu ermöglich, erfand man bei Fender (erneut so einfach wie genial) einen Reiter mit Gewindestanden. Durch einfaches Abheben und Umsetzen kann man sich somit die Saiten nach eigenem Geschmack positionieren. Da viele Bassisten auf den Klang der einfachen L-Winkel schwören, hat Fender bei seinen aktuellen Stegen wieder eine Rillen-Bauweise aufgegriffen. Das war gut überlegt!

gibson_dreipunkt_1_550

gibson_dreipunkt_2_schwebend_550
Der große Fender-Konkurrent Gibson ging schon recht früh – seit 1953 – seinen eigenen Weg. Auf den meisten Gibson-Bässen befindet sich seit 1973 bis heute eine massive einteilige Bridge, die von drei Schrauben in der Schwebe gehalten wird. Diese recht massive Konstruktion funktioniert in der Praxis gut, doch sie hält auch ein paar Nachteile bereit: Die Saitenhöhe kann nicht für jede Saite einzeln eingestellt werden, es muss immer die gesamte Bridge bewegt werden. Einem weiteren Problemchen begegnet man, wenn man neue Saiten aufziehen muss. Da kann es nämlich passieren, dass man plötzlich den Saitenreiter plus Schraube in der Hand hält. Und wechselt man alle Saiten, purzelt einem die Bridge auch schon mal komplett entgegen. Hier ist dann etwas Geschick gefragt.

gibson_zweiteilig_schaller3_d_550
Auf manchen Gibson-Bässen findet man die wesentlich sinnvollere Schaller 3-D Brücke, womit wir fast schon bei den nächsten Bridges wären. Die reinrassige 2-D-Brücke gibt es in allen Gewichtsklassen – vom einfachen Blechwinkel über solide Gusskonstruktionen bis hin zu den massigen Brücken à la Badass.

badass_vintage_550
Eine Weiterentwicklung stellt die damalige Spector- bzw. Steinberger-Brücke dar, bei der die Reiter lose in einer U-förmigen Grundplatte stehen. Die Oktavreinheit wird durch einfaches Verschieben der Böckchen von Hand vorgenommen. Damit diese nicht kippeln oder sich von alleine verschieben, besitzt die Brücke eine seitliche Klemmschraube, mit der die Reiter zusammengeschoben und fixiert werden.

gundl_bridge_550
Ein ähnliches Klemmprinzip findet sich bei den G&L-Bässen – und das, obwohl die Reiter bereits durch die konventionelle Längsschraube geführt werden. Hier liegt der klangliche Aspekt zu Grunde, dass Reiter, die sich beim Anschlagen bewegen, der Saitenschwingung Energie entziehen können. Bei G&L hat man das elegant gelöst.

rickenbacker_1_550
Bei der Rickenbacker-Bridge treffen wir auf ein eigenartiges Konzept: Der recht große Rahmen der Brücke wird aus Guss hergestellt. Der eigentliche Steg steht nun in dieser Zinklandschaft und ruht auf zwei Schrauben – dieses Konzept fi ndet man auch bei Alembic; beim Rick freilich ohne Sustainblock. Das Einstellen der Oktavreinheit gestaltet sich äußerst schwierig, da die Schrauben tief in der Bridge ruhen. Hier ist kein Zugang möglich! Um die Saitenreiter zu bewegen, muss man die Saiten entspannen und den kompletten Steg rausschrauben. Zum Glück ist der Rickenbacker ja schon seit langem auf dem Markt und wird vom Hersteller gewissenhaft hergestellt, so dass die Oktavreinheit meistens schon ab Werk eingestellt ist.

Die zweiteilige 2-D Brücke

Kommen wir nun zur zweiteiligen Brücke, die man in zwei Richtungen einstellen kann: vor bzw. zurück (Oktavreinheit), sowie hoch bzw. runter (Saitenhöhe). Man fi ndet diesen Typ Bridge oft auf uralten Bässen aus den Sechzigern oder auf ganz edlen Teilen, wie z.B. Alembic. Halbakustische Bässe sind bekanntlich innen hohl und besitzen einen großen Body. Daher fi ndet man zweiteilige Bridges oft auf Instrumenten dieser Art, wie z.B. beim Ibanez ARTB.

alembic_zweiteilig_1_550
Die vielleicht berühmteste Bridge dieser Abteilung fi ndet man bei dem kalifornischen Hersteller Alembic. Die Brücke wurde Anfang der Siebziger ersonnen und zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Sie schwebt ebenfalls und wird mittels zweier Standschrauben fixiert. Diese münden nicht etwa in das Holz, sondern übertragen den Klang der Saiten in einen darunter liegenden Messingblock. Das liefert zum einen einen volleren Klang und zum anderen „Sustain bis übermorgen“. Der solide Messingaufbau lässt sich zudem durch nichts erschüttern.

sharkey_krempel
Zudem gibt es immer wieder bemerkenswerte Lösungen zu bewundern, wie die Saiten mit dem Body optimal verbunden werden können. Diese Holzbrücke ziert einen sechssaitigen Sharkey fretless aus der Werkstatt von Magnus Krempel. Rüder Umgang mit dem Bass ist nicht empfehlenswert, denn die Holzreiter können leicht brechen. Doch gerade bei einem Fretless-Bass fördern sie den akustischen Klang des Instrumentes ganz vortrefflich.

simon_baasm_550
Aus Österreich kommt dieser Beitrag von Simon Bassmaker. Hierbei handelt es sich schon fast um eine eindimensionale Bridge. Diese Konstruktion, welche direkt in den Body eingearbeitet wurde, soll die Schwingung der Saite unterstreichen und für eine verbesserte Ansprache sorgen.

Die moderne 3-D Brücke

schaller_3d
Die bekanntesten Vertreter dieser Brückenart sind tatsächlich „Made in Germany“. Als erste populäre, dreidimensional einstellbare Brücke trat vor nahezu dreißig Jahren der „Bass-Steg 3D“ von Schaller in Erscheinung. Diese aus Guss gefertigte Brücke besitzt zur Einstellung des Saitenabstands kleine Rollen auf dünnen Gewindestangen.

Anfang der neunziger Jahre konnten sich die gefrästen 3-D Flachstege der deutschen Hersteller ETS und ABM etablieren. Diese sind im Grundprinzip eine Verbesserung der Spector-Brücke, da die verschiebbaren, quaderförmigen Böckchen nun in separaten Führungskanälen laufen. Jedes dieser Böckchen besitzt zudem noch einen quer in einer Nut verlaufenden Reiter, der durch Verschieben eine Veränderung des Spacings ermöglicht. Das Besondere dieser Konstruktion ist, dass sich sämtliche beweglichen Bauteile nach der Justage in ihrer Position festklemmen lassen. Das bedeutet aber auch, dass jeder Reiter mindestens vier Schräubchen besitzt. Man sieht: Qualität made in Germany. Und das ist mehr oder weniger bis heute so geblieben.

Mono-Rails

Mono-Rail-Brücken sind eigentlich nichts anderes als Einzelelemente einer 3-D Brücke. Aufgrund ihrer schmalen Bauweise ist jedoch der Einstellspielraum für das Stringspacing meist deutlich geringer.

bsp_monorail_kost_550
Bei einigen Mono-Rails lassen sich die Reiter nur im Zehntelmillimeterbereich verschieben, so dass man in diesen Fällen nur von einer zweidimensionalen Brücke sprechen kann. Dafür ist es dem Bass-Hersteller möglich, durch entsprechende Positionierung selbst zu bestimmen, wie groß der Abstand von Saite zu Saite bemessen sein soll. Bei diesem 6-Saiter von Christof Kost liegen die Saiten eng beieinander, was sich in einer sehr guten, fl inken Bespielbarkeit bemerkbar macht. Damit hätten wir eine grobe Übersicht über die bekannten Bridge-Modelle. Kommen wir nun zu den Infos, die für eine optimale Einstellung dieser Brücken notwendig sind.

Einstellung der Saitenlage

Jetzt wird es spannend! Wir gehen davon aus, dass a) der Hals im richtigen Winkel zum Body steht und b) dass der Hals leicht gebogen bzw. nicht 100% gerade ist, damit die Saiten ihren Schwingungsbauch entfalten können. Unser Ziel ist es nun, eine weitgehend schnarrfreie Einstellung des Instrumentes zu erzielen.

Zunächst werden die Reiter aber erst einmal so weit nach unten geschraubt, dass die Saiten auf dem Griffbrett aufl iegen. Sollte dies nicht möglich sein, führ dir noch einmal den ersten Teil der „Mein Bass & Ich“-Serie zu Gemüte (BP 1/2010).

Ist diese Ausgangsstellung erreicht, spielst du das G im zwölften Bund auf der G-Saite (bei 23 Bünden im 11.Bund / 22 im 10. /21 im 9. etc.) und drehst den Reiter so weit nach oben, dass die Saite bei deiner maximalen Anschlagslautstärke keine unerwünschten Scheppergeräusche mehr von sich gibt.

Die Bundbereiche über dem „Setup“-Bund sind von einem klirrenden Aufsetzen der Saite weniger betroffen, da der Schwingungsbauch der Saite sich ja immer weiter vom Griffbrettende Richtung Steg bewegt. Du solltest natürlich trotzdem das Schepperverhalten bei jedem Bund testen, da es aufgrund von schlecht eingesetzten Bünden oder einer „rising tongue“ (Erhebung am Griffbrettende) zu Problemen kommen kann. Die Lösung sollte dabei aber nicht ein Erhöhen der Saitenlage sein, sondern eine fachmännische Reparatur.

Da die dickeren Saiten grundsätzlich stärker schwingen als die dünneren, müssen die Reiter von Saite zu Saite immer ein kleines Stück weiter hoch gedreht werden.

Wenn du die Saiten in höheren Lagen miteinander vergleichst, solltest du unbedingt darauf achten, dass du dies im gleichen Bund vornimmst.

Hast du einen Bass mit einem eher planen Griffbrett, wirst du feststellen, dass die Höhe der einzelnen Saiten ansteigt. Die G-Saite liegt tiefer als die stärker schwingende E-Saite. Hast du einen Bass mit einem starken Halsradius, entsteht an der Brücke so etwas wie eine Wölbung.

Zum Einstellen der Saitenlage solltest du dir Zeit nehmen. Oftmals braucht man Tage, Wochen, wenn nicht Jahre, um die optimale Saitenlage einzustellen.

Abhängig ist dies nicht zuletzt von der Musik, die du machst. Spielst du zum Beispiel Reggae, sollten die Saiten nicht zu tief liegen. Für rasantes Solospiel hingegen sollten die Saiten recht fl ach liegen, ohne aber übermäßig zu scheppern. Und spielt man deftigen Hard Rock, sollten die Saiten ebenfalls schepperfrei klingen.

Übrigens: Wurde die Brücke deines Basses vom Hersteller bereits perfekt eingestellt, dann ist es oft ratsam, die Finger von der Bridge zu lassen und mit der Halsschraube zu arbeiten. Wie das funktioniert, hatten wir ja schon in der letzten Ausgabe behandelt.

Gleichzeitig wirst du feststellen, wie gut oder schlecht dein Bass vom Hersteller bundiert wurde. Wenn viele Bünde scheppern, andere wiederum gar nicht, sollte ohne Frage das Griffbrett abgerichtet werden - hier muss ein Spezialist ran.

Was heißt „bundrein“?

Was heißt „oktavrein“?

Die Oktavreinheit wird häufig und gerne mit der Bundreinheit verwechselt. Den Abstand einzelner Bünde zueinander kann man allerdings nicht einstellen, so dass die Längsverstellschraube an der Brücke nur dazu dient, die Oktave der Saite exakt in den zwölften Bund zu schieben. Die Bundreinheit ist vom Hersteller vorgegebenen, der hoffentlich dafür Sorge getragen hat, dass der Abstand von Bund zu Bund mathematisch genau einen Halbton beträgt.
Die Oktave der Saite hingegen ist eine Variable. Sie ist abhängig von der Dicke der Saite und ihrer Elastizität. Würden diese Faktoren keine Rolle spielen, wäre der zwölfte Bund immer exakt in der Mitte zwischen Sattel und Saitenreiter.
Sicherlich ist dir aber schon aufgefallen, dass die Saitenreiter bei nahezu allen Bässen von den hohen zu den tiefen Saiten immer ein Stück weiter nach hinten positioniert sind. Das hängt eben damit zusammen, dass mit der Dicke der Saiten auch ihre Steifheit zunimmt: Die dicke E-Saite ist immer schwerer zu bewegen, als die dünne GSaite. Von der H-Seite mal ganz zu schweigen... Dies bedeutet wiederum, dass die Saite kürzer ist als die theoretische Mensurlänge. Und ist eine Saite kürzer, so verändert sich die Tonhöhe nach oben. Daher müssen die Saiten quasi verlängert werden, indem die Reiter zu den tieferen Saiten hin nach hinten versetzt werden.
Klingt sehr theoretisch, nicht wahr? Doch mit etwas Erfahrung sind diese Maßnahmen im Grunde sehr einfach selbst umzusetzen.

Einstellung der Oktavreinheit

Um die Oktavreinheit korrekt einstellen, braucht man zwingend ein Stimmgerät. Ohne geht es nicht!

Als erstes stimmst du alle Saiten deines Basses. Die Oktavreinheit wird nun Saite für Saite eingestellt. Du stimmt z.B. als erstes die G-Saite. Du solltest versuchen, die Saite so genau wie möglich zu stimmen. Daher nicht die Saite nach dem leeren Ton stimmen, sondern nach dem Flageolett- Ton im 12. Bund. Also die Finger vorsichtig auf die Saite legen, dann die Saite anschlagen und sie mittels des Stimmgerätes 100% genau auf den Ton stimmen.
Als nächstes drückst du die Saite aufs Griffbrett herunter und spielst den Ton im 12. Bund. Dabei ergeben sich zwei (bzw. drei) Möglichkeiten.

  1. Der Ton ist zu hoch, d.h. die Saite muss verlängert werden. Der Saitenreiter muss an der Brücke nach hinten (zum „Bassende“) geschoben werden.
  2. Der Ton ist zu niedrig, d.h. die Saite muss verkürzt werden. Der Saitenreiter muss nun an der Brücke weiter in den Bass geschoben werden.
  3. Der Ton ist derselbe wie beim Flageolett.


Wichtig: Nach jedem Verschieben des Reiters muss die Saite neu gestimmt werden, da sich durch den Eingriff die Stimmung ja auch wieder verändert.

Tritt Fall 3 ein, dann herzlichen Glückwunsch: Der Hersteller deines Basses hat den Bass perfekt eingestellt! Mitunter erlebt man auch die eine oder andere Überraschung und muss bemerken, dass man den Bass ganz und gar nicht optimal einstellen kann, weil die Brücke falsch positioniert wurde.

Einstellen bei Vintage-Bässen

Auf dem Flohmarkt einen alten Bass gekauft? Auch diesen kann man mit wenigen Handgriffen passabel einstellen. Da sich der Steg nur im Ganzen bewegen lässt, orientiert man sich beim Einstellen der Oktavreinheit an der E- und GSaite.
Zuerst stellt man die G-Saite ein. Man schiebt den Steg solange hin und her, bis der Flageolett- Ton im 12. Bund mit dem gegriffen Ton im 12. Bund übereinstimmt. Auch hier gilt: ist der Ton zu hoch, ist die Saite zu kurz. Daher muss der Steg in Richtung Bodyende geschoben werden. Ist der Ton hingegen zu tief, ist die Saite zu lang und es geht in Richtung Hals.

Bei der Wiederholung dieses Procederes für die E-Saite achte man darauf, dass man den Auslagepunkt der G-Saite nicht gleich wieder verschiebt.

Feintuning: Einstellen der Saitenabstände

Sofern man das Spacing von Saite zu Saite überhaupt einstellen kann, ergeben sich ein paar Punkte, die man für ein ideales Setup berücksichtigen sollte.

Wichtig ist das Spacing so zu gestalten, dass die äußeren Saiten nicht zu nahe an der Griffbrettkante liegen. Bei kräftigeren Bendings und vehementen Pull-Offs und Hammer-Ons kann die Saite sonst schon mal von den Bünden rutschen. Aus diesem Grund schieben manche Spieler die Auflagepunkte der E- und vor allem der G-Saite weiter in die Mitte des Halses.

Auch bietet die Justage des Stringspacings die Möglichkeit, die Saiten genau über das Zentrum der Tonabnehmermagnete zu führen. Damit lässt sich gewährleisten, dass die Lautstärke von Saite zu Saite relativ gleich ist.

Durch Verschieben der Reiter in Querrichtung lässt sich auch die von einigen Herstellern propagierte „lichte Weite“ einstellen. Dabei wird nicht der sonst übliche, gleiche Abstand von Saitenmitte zu Saitenmitte eingestellt, sondern ein gleich bleibender Zwischenraum. Da die Saiten „von hoch nach tief“ dicker werden, vergrößert sich hierbei das Spacing am Steg von Saite zu Saite.

Solltest du einen Bass mit dreidimensionalen Einstellmöglichkeiten besitzen, kannst du ja einmal ausprobieren, welches Konzept sich für deine Anschlagshand besser anfühlt.



In der nächsten Folge geben wir noch ein paar hilfreiche Tipps zum Saitenaufziehen – dann sollte dein Bass schon richtig gut bespielbar sein und einen sauberen und schnarrfreien Ton von sich geben! Fragen und Anmerkungen könnt ihr gerne wieder an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! richten.

Hauptkategorie: Mein Bass und Ich

1. Teil: Einstellen des Halswinkels

mbi_logo155Willkommen zur neuen Rubrik zum Thema „Bass Service“. Die Rubrik soll euch bei Einstellarbeiten aller Art am E-Bass helfen. Nach und nach werden wir alle wichtigen Parts am Instrument vorstellen und euch viele Tricks und Kniffe der Profis verraten – damit ihr aus eurem E-Bass das Optimum an Bespielbarkeit herauskitzeln könnt. Ob im Studio, live oder auf einer wichtigen Probe - ein gut eingestellter Bass ist oft Gold wert. Mitunter kann sogar ein vergleichsweise günstiger Bass einem teueren überlegen sein, wenn er gut eingestellt ist.

Alle Tipps, die wir verraten möchten, sind geeignet, sie nachzuahmen – do it yourself! Wenn ihr aber Schwierigkeiten mit euren Instrumenten habt und mit gewissen Einstellarbeiten überfordert seid, solltet ihr jemanden um Rat bitten, der schon Erfahrung mit dem Einstellen eines E-Basses hat. Das kann ein Basslehrer sein, eine Fachkraft beim lokalen Dealer oder vielleicht ein Kumpel, der bereits E-Bass spielt und sich mit den Teilen auskennt.

So, jetzt kann es losgehen. Wir starten die Serie mit dem richtigen Einstellen des Halswinkels.

bp1_2010_halswinkel
Unter Halsanstellwinkel versteht man die Neigung, die ein Hals zum Korpus besitzt. (Abb.1)
Bei Bässen mit durchgehenden oder verleimten Hälsen ist dieser Winkel natürlich nicht zu ändern. Besitzer von Rickenbacker-, Alembic-, und ähnlichen Bässen können hier mit der Lektüre dieses Workshop-Artikels aufhören. Das gilt natürlich ebenfalls für Spieler von Gibson-Bässen, deren Hälse eingeleimt sind. Besitzer dieser Bässe können sich auf die nächste Ausgabe freuen, die sich mit dem Einstellen der Halskrümmung beschäftigen wird.

Nahezu jeder Hersteller hält ein Schraubhalsmodell bereit, z.B. Fender, Music Man, Wal, Ibanez, etc. Wer einen Schraubhalsbass (auch bolt-on genannt) sein eigen nennt, wird sich aber vielleicht auch fragen, was man da an dem Instrument überhaupt einstellen kann. Schließlich ist der Hals doch bereits mit dem Korpus verschraubt.

Tatsache ist jedoch, dass viele Hersteller bereits ein Stück Furnierholz oder ähnliches unter den Hals in die Halstasche legen. Diese Unterlage nennt man englisch „Shim“.

Foto01 
Shims können aus vielerlei Materialien bestehen (Kuriositäten inklusive). So wurden schon Unterlagen aus Furnierholz, Sandpapier, Teppichmesserklingen (Foto1), Pappstreifen, Plektren, Rasierklingen und Unterlegscheiben (Foto2) gesichtet.

Grundsätzlich gilt dabei aber, dass die härteren (Metall-) Shims den nachgiebigeren  vorzuziehen sind. Bei einer Schraubhalskonstruktion ist die Festigkeit der Hals-/Korpusverbindung nämlich von großer Bedeutung für das Schwingungsverhalten. Bei dem Anschlagen einer Saite führt der Hals eine Kippschwingung aus, wobei die Befestigung am Korpus wie ein Scharnier wirkt. Und je lockerer  die Verbindung an dem Übergabepunkt zum Korpus ist, desto stärker ist auch der dämpfende Einfluss auf den Klang.

Um sich das mühselige Unterlegen von Shims zu ersparen, wurde in bereits in frühen Jahren das  sogenannte „Micro-Tilt“-System von Fender (Foto3) und später von Music Man eingeführt. Leo Fender setzte dieses Prinzip auch noch viele Jahre später bei seinen G&L-Bässen ein. Und auch bei Fender tauchten und tauchen immer mal wieder Modelle mit einer Einstellmöglichkeit für den Halsanstellwinkel auf (z.B. American Standard ab Mitte der 80er, American Series sowie alle neuen American Standards – womit Fender die einzige Firma ist, die dieses Feature in der Hauptlinie regulär verbaut). Die bauliche Umsetzung ist dabei denkbar einfach: Im hinteren Bereich der Halstasche befindet sich eine Madenschraube im Korpus (FotoA), die durch ein Loch in der Halshalteplatte zugänglich ist (FotoB). In den Hals ist eine Metallplatte eingelassen, die verhindern soll, dass sich die relativ dünne Schraube in das Holz bohrt.

Foto02

Foto03

Foto04
Löst man die Halteschrauben des Halses ein wenig, lässt sich durch Hereindrehen dieser Madenschraube der Winkel des Halses vergrößern.

Nach erfolgreicher Justage werden die Halsschrauben wieder angezogen und der Hals sitzt fest in der Tasche – sollte man meinen. In der Praxis ist es jedoch so, dass der Hals nur noch an der Vorderkante der Halstasche und punktuell auf der Madenschraube liegt. Durch die extrem verringerte Reibungsfläche besitzt der Hals nun viel weniger Halt, als wenn er plan aufliegen würde. Wenn nun die Fräsung  so spielfrei wäre, dass der Hals sich nicht nach rechts und links bewegen kann, hätte man trotz des geringeren Kraftschlusses wenigstens einen sogenannten Formschluss. Leider waren in den siebziger Jahren die Fertigungstoleranzen (vor allem bei Fender-Bässen!) so groß, dass rings um den Hals Spiel von zum Teil mehreren Millimetern vorhanden war. Bereits ein leichtes Ruckeln am Hals konnte daher zu Verschiebungen in der Tasche führen - und schon war der Bass verstimmt.

Durch die damaligen Probleme geriet die Neck-Tilt-Dreipunktverschraubung in Verruf, und konnte sich trotz der Einstellvorteile nicht dauerhaft durchsetzen.
So ist man im Bedarfsfall also auf das Shimmen angewiesen. Was aber ist ein solcher Bedarfsfall? Wann ist ein Shim notwendig?

Es gibt zwei Szenarien, die eine Erhöhung des Halsanstellwinkels erforderlich machen. Das erste: Ich habe einen Bass mit einer einfachen L-Winkel-Brücke. Dank einer gelungenen Bundabrichtung kann ich die Saitenlage sehr niedrig einstellen. Das Problem ist aber nun, dass die Saitenreiter fast auf der Grundplatte aufliegen. Die Folge ist, dass die Madenschrauben für die Höhenverstellung sehr weit herausstehen (Verletzungsgefahr), und die Böckchen bei kräftigem Anschlag hin und her rutschen, weil der Anpressdruck durch die Saiten zu gering ausfällt (Foto4).

Foto05
Würde ich jetzt durch Einlegen eines Shims in die Halstasche den Winkel erhöhen, könnte ich die Reiter wesentlich höher schrauben, ohne meine niedrige Saitenlage zu verlieren.
 
Als Faustregel für die  Erhöhung gilt: Dicke des Shims x 4 = Höhengewinn am Steg.

Das zweite Szenario: Ich habe einen Bass mit einer modernen Brücke, bei denen die Reiter bereits eine beachtliche Höhe aufweisen (Foto5).

Foto06
Und obwohl ich den Reiter bereits ganz heruntergeschraubt habe, ist mir die Saitenlage immer noch zu hoch. Den notwendigen zusätzlichen Spielraum kann ich nur gewinnen, in dem ich durch shimmen das Griffbrett näher unter die Saiten bringe.

Foto07 
Die Position der Unterlage hat dabei aber nicht nur Einfluss auf die resultierende Erhöhung (je weiter vorne, desto größer der Kippwinkel), sondern auch auf die Verformung des Halses. Legt man den Shim nämlich an das Ende der Halstasche (was durchaus üblich ist; FotoC),

Foto08
so liegt der Hals nur auf dem Shim und der Vorderkante der Tasche auf. Das Anziehen der dazwischen befindlichen Schrauben führt dann dazu, dass der Hals eine leichte Durchbiegung erfährt. Dadurch ist das Griffbrettende etwas höher als der abgesenkte Bereich davor, und in diesem schnarren die Töne nun unnötigerweise. (Abb.2)

bp1_2010_halswinkel_2
Die Lösung ist, den Shim in dem Bereich der hinteren Schrauben zu befestigen (einfach mit einem Streifen Tesafilm fixieren). Entweder man  klebt ihn kurz hinter oder genau zwischen die Schrauben.

Foto09

Foto10
Wenn man ein Verziehen und Kippeln des Halses ganz vermeiden will, greift man am besten zu Unterlegscheiben, die genau über die Bohrungen für die hinteren Schrauben geklebt werden.  Bei Sechspunktverschraubungen empfiehlt es sich, die Scheiben bei den letzten beiden Schraubenreihen zu verwenden. (Foto6)

Foto11 
Übrigens: Wie ihr vielleicht gemerkt hat, ist dieses Shimmen vor allem notwendig bei älteren Instrumenten. Die meisten modernen Bässe (spätestens seit den Neunzigern) werden präziser gestellt bzw. gefräst. Somit erübrigt sich auch das Shimmen. Wie immer gilt: Falls ihr euch nicht sicher seid, überlasst das korrekte Einstellen lieber einer Fachkraft.

Oft ist es auch sinnvoll, einfach die Halskrümmung einzustellen bzw. den Hals kurz nachzustellen. Wie man das erledigt, erfahren wir in der nächsten Folge rund um den Halsstab.

Falls ihr Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt uns eine Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!" Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Hauptkategorie: Mein Bass und Ich

2. Teil: Halseinstellung

mbi_logo155In der ersten Folge dieser Reihe (BP 1/2010) haben wir euch Tipps gegeben, wie man den Hals in die ideale Position zum Korpus bringt. Nun wollen wir uns mit der Einstellung des Halses selber beschäftigen. Für alle weiteren Einstellarbeiten ist es nämlich notwendig, dass die Krümmung des Halses optimal auf die eigenen Spielbedürfnisse abgestimmt wird. Hierzu ist es wichtig zu wissen, wie man richtig mit der Halsverstellschraube umgeht. Daher verraten wir euch diesmal diverse Einstelltipps und geben einen tiefen Einblick in die geheimnisvolle Welt der Halsstäbe, im Englischen auch Trussrod genannt

Bei der Einstellung gilt es dabei grundsätzlich, den bestmöglichen Kompromiss zwischen Spielkomfort und Schnarrfreiheit zu finden. Und ganz fertig ist das Setup ja damit auch noch nicht. Denn im dritten Teil (in der nächsten Ausgabe) wird es noch um das Einstellen der Brücke gehen.

Was ist nun eigentlich die Aufgabe eines Halsstabes?

Bespannt man einen E-Bass mit Saiten, so erzeugen diese einen Zug von ca. 80 Kilo – die meisten Hälse (vor allem die zu dünnen) würden sich ob dieses Zuges biegen wie ein Flitzebogen. War es in den frühen Fünfzigern tatsächlich mal geplant, Hälse ohne Halsstab herzustellen (wie bei den ersten Fender-Gitarren), verlässt ein E-Bass mit einem Hals aus Holz die Werkstatt grundsätzlich mit einem Halsstab. Dieser wurde in den Hals eingearbeitet und wirkt durch Anziehen dem Zug der Saiten entgegen. Mithilfe einer Halsschraube lässt sich dabei die gewünschte Krümmung des Halses einstellen. Theoretisch könnte man wie bei klassischen Saiteninstrumenten auch ohne Stahlstab auskommen. Dazu müsste der Hals aber wesentlich stabiler (sprich: dicker) und aus sehr gut abgelagerten und spannungsfreien Hölzern hergestellt werden. Allerdings ist es heutzutage üblich, Bässe mit relativ schlanken Hälsen herstellen. Ohne einen Spannstab ginge hier gar nichts!

Um einen Bass optimal einstellen zu können, ist die persönliche Spielweise von großer Bedeutung. Es versteht sich, dass man z.B. für das Solospiel eine andere Einstellung benötigt als für Reggae oder Heavy Metal. Entscheidend ist die Stärke und Art der Auslenkung der Saitenschwingung. Die Stärke ist abhängig vom Spieler. Die Auslenkungsart ist hingegen physikalisch vorgebeben: Sie weist zwischen den beiden Auflagepunkten der Saite eine elliptische Form auf.

grafik550

Natürlich schwingt die Saite in alle Richtungen. Uns interessiert aber nur die Schwingung nach unten, da sie durch Berührung mit den Bünden Schnarrgeräusche erzeugt. Aufgrund der Grafik wird klar, dass das Griffbrett nicht ganz gerade sein darf. Dies ist auch der Grund dafür, dass bei klassischen Saiteninstrumenten ohne Stahlstab (Kontrabass, Cello, etc.) vom Geigenbauer grundsätzlich eine Wölbung in das Griffbrett – die sogenannte Hohlkehle – eingearbeitet wird. Diese hat ihren tiefsten Punkt etwa in der Mitte des Griffbrettes.

bp2_mbui_kb_hohlkehle_550
Anders als bei einer Hohlkehle steigt das Griffbrett im hinteren Bereich allerdings nicht wieder an, was zur Folge hat, dass leichte Veränderungen an der Halsschraube zwar den gewünschten Effekt für die tiefen Lagen bringen, dabei aber gleichzeitig auch die Saitenlage über den hohen Lagen verändert wird.
Zur Kompensation dieser „Nebenwirkung“ dient daher bis zu einem gewissen Grad die Höhenverstellung der Saitenreiter, mit der wir uns in der nächsten Folge beschäftigen wollen.
Doch wie sehen diese Stäbe nun eigentlich aus – und was passiert beim Drehen der Trussrod- Mutter im Inneren des Halses?

Wir stellen euch einmal die beiden gängigsten Typen und ihre Varianten vor. Schließlich bekommt man so einen Spannstab bei seinem eigenen Bass (hoffentlich) nie zu sehen. Beginnen wollen wir dem einfachsten und vielleicht auch beliebtesten Prinzip: dem Single-Trussrod. Diese Bauweise ist typisch für Fender-Bässe, wird aber auch in vielen Edelbässen verwendet.

bp2_mbui_spannstab
Der Stab an sich ist absolut simpel. Das eine Ende besitzt einen kleinen Anker (Platte oder Bolzen), der im Hals befestigt ist. Am anderen Ende befindet sich ein Gewinde. Die Mutter dafür stützt sich in einer Bohrung am Halsende oder in der Kopfplatte ab und bringt durch Anziehen den Stab auf Zugspannung. Damit nun der Hals nicht einfach nur zusammengestaucht wird, muss der Stab in einer entsprechend gefrästen Nut bereits mit einer starken Krümmung eingebaut werden. Den Querschnitt sieht man auf der Grafik unten.
Entweder wurde der Stab vor dem Aufleimen des Griffbrettes eingelegt, oder aber die Nut ist von hinten mit einem Holzstreifen verschlossen. Diesen Holzstreifen nennt man auch - in Anlehnung an den typischen Streifen beim Stinktier - Skunk Stripe. Sehr schön zu sehen bei diesem Fender-Bass.

bp2_2010_mbui_fender_skunkstripe_550
Von allen Stahlstabkonstruktionen ist diese einfache Variante erstaunlicherweise auch die effektivste. So bewirken bereits geringe Drehungen an der Einstellmutter deutliche Veränderungen der Halskrümmung.

Ein Nachteil des Single-Trussrods hat sich allerdings bei vielen Bässen aus den Siebzigern und frühen Achtzigern gezeigt. Ist die Konstruktion nicht so ausgeführt worden, dass sich eine gleichmäßige Krümmung ergibt, kann es durch die Zugkräfte im Hals zu unkontrollierten Verwerfungen kommen. Dies äußert sich dann in Form von Buckeln am Griffbrettende („rising tongue”) oder einem verdrehten („twisted”) Hals. Ein gänzlich anderes Prinzip verfolgen die so genannten Double-Trussrods. Diese sind an einem Ende fest miteinander verbunden und zwingen dem Hals eine Wölbung auf, indem sie sich verbiegen. Dies geschieht durch Verschieben eines Stabes gegen den anderen. Da die Stäbe zwar aus Metall, aber immer noch recht biegsam sind, führt der aufgebaute Druck zu einem Aufwerfen der Stäbe.

Die einfachste Bauform dieses Prinzips findet man beispielsweise bei Rickenbacker-Bässen. Hier werden einfach zwei Hälften eines gefalteten Flachstabs gegeneinander verschoben, von denen sich der obere, zusammengedrückte nach außen wölbt und so dem Hals eine leichte Krümmung verschafft. Da sich die Biegekräfte nicht beliebig steigern lassen, hat man bei Rickenbacker die Bauweise mit zwei Trussrods eingeführt, um genügend Gegenkraft zum Saitenzug zu erzielen. Moderne Varianten dieses Verschiebeprinzips bestehen zweiteilig aus einem Flachstahl und einer Rundstange.

bp2_2010_mbui_truss_stange_550
Auf diesem Foto ist auch sehr schön zu sehen, dass die Stangenkonstruktion in Kunststofffolie eingeschweißt wurde, damit möglichst wenig Klappergeräusche im Halsinneren entstehen. Der Vorteil der zweiteiligen Trussrods ist der vereinfachte Herstellungsprozess beim Bassbau, da hier nur eine einfache Nut zur Aufnahme in den Hals gefräst werden muss. Bei entsprechender Konstruktion (wie z.B. beim Rickenbacker) ließen sich diese Stäbe bei Defekt sogar durch Herausziehen austauschen. Nachteile sind allerdings die geringere Wirkungsweise gegenüber dem Single-Trussrod und der mechanische Druck gegen das Griffbrett. Den ultimativen Ausbund an Stabilität stellt der Double-Trussrod mit U-Profi l dar. Statt einem Flachstahl wird hier ein U-Profil gebogen - so hat der Hals keine Chance mehr zur Gegenwehr.

bp2_2010_mbui_double_truss_550
Die Vorteile sind auch hier der einfache Einbau, aber auch die enorme Stabilität. Die Nachteile sind allerdings der geringe Wirkungsgrad, da sehr viel Kraft aufgebracht werden muss, um das U-Profil überhaupt verformen zu können - aber auch die klanglichen Auswirkungen. Durch den extrem steifen, schweren und unfl exiblen Spannstab kann der Hals nämlich nicht mehr so frei schwingen wie mit einem konventionellen Trussrod.

Eine Erweiterung der beiden Bauformen stellen die sogenannten „Dual Action”-Stäbe dar. Man findet sie meistens auf hochwertigeren Bässen vor. Ob man einen Bass mit Dual Action Trussrod besitzt, kann man beim Herausdrehen der Schraube feststellen. Wird es nach dem Lösen wieder schwergängiger, ist dies ein deutliches Anzeichen für den zweiten Bereich, in dem der Hals durch den Stab bewusst gekrümmt statt gerade gerichtet wird.
Dies kann notwendig werden, wenn sehr schwache Saiten verwendet werden (z.B. „Funkmaster“ 30-90) und der Hals eine hohe Stabilität aufweist.
Eine aufgezwungene Krümmung wird auch dann erforderlich, wenn die klimatischen Bedingungen (hohe Luftfeuchtigkeit) den Hals nach hinten biegen.
Stahlstäbe, die in beide Richtungen arbeiten (Dual Action), müssen nicht zwangsläufig aufwändig konstruiert sein. Auf dem folgenden Bild ist beispielsweise ein einfaches Lagerböckchen für die Einstellmutter zu erkennen, mit dessen Hilfe sich ein Single-Trussrod ziehen, aber auch schieben lässt.

bp2_mbui_ss_halsmutter
Bei Double-Trussrods verwendet man zwei gegeneinander verschiebbaren Stangen, die an beiden Enden mit je einem Links- und einem Rechtsgewinde versehen sind. Dadurch werden die beiden Stangen entweder gestaucht oder gespreizt, was jeweils eine Durchbiegung nach oben oder unten bewirkt.

bp2_2010_mbui_double_truss2_550
Neben der Bauform des Spannstabes übt aber auch seine Einstellung einen Einfl uss auf das Schwingungsverhalten aus. Es ist nicht selten vorgekommen, dass Deadspots durch Anziehen oder Lösen der Trussrod-Mutter verschwunden sind oder zumindest abgeschwächt wurden. Durch Anziehen des Spannstabes wird ja eine Spannung in den Hals gebracht, wodurch sich seine Steifigkeit ändert. Es lohnt sich also bei Deadspot- Problemen auch hier einmal nach einer Lösung zu suchen!

Wie kann ich die Krümmung des Halses überprüfen?

Die Krümmung des Halses kann man durch folgenden kleinen Check (s. die folgenden drei Fotos) überprüfen: Man drückt die A-Saite im ersten Bund herunter (Foto oben), legt den Ellbogen mit leichtem Druck ebenfalls auf die A-Saite am Griffbrettende (Foto Mitte) auf und überprüft dann durch Tippen mit dem Zeigefinger im Bereich vor dem 12. Bund die Distanz der Saite zum Griffbrett (Foto unten)

bp2_2010_mbui_fender_jb_1fret_550
(Alternativ kann man auch ein Kapodaster im ersten Bund verwenden)

bp2_2010_mbui_fender_prec_w_550

bp2_2010_mbui_fender_jb_neck_550
Auf diese Weise hat man sich mittels der Saite ganz schnell ein langes „Stahllineal“ selbst erstellt. Man kann nun die Halskrümmung anhand der geraden Saite schon einmal grob einstufen. Genaue Millimeter-Angaben für den Abstand zwischen Saite und Griffbrett nützen einem hier wenig, da die Faktoren „Bass“ und „Spieler“ verschiedene Krümmungen notwendig machen.

Wie stelle ich die richtige Saitenlage ein?

Die richtige Einstellung ist natürlich abhängig von der individuellen Anschlagsstärke. Lässt sich man sich z.B. von seinem Basslehrer beim Setup helfen, so sollte man den Bass nach jeder Veränderung der Krümmung immer persönlich überprüfen. Zunächst empfiehlt es sich, die Saitenlage so tief wie möglich zu legen. Dieses erreicht man, indem man die Reiterböckchen an der Brücke herunterschraubt. Dabei darf der Bass in den hohen Lagen ruhig schnarren. Wichtig ist nur, dass bei leichtem Anschlag die Töne hörbar sind. Auf diese Weise hat man den Einfl uss der Brücke auf die Saitenlage erheblich minimiert.
Für die tatsächlichen Zugverhältnisse muss der Bass dann natürlich richtig gestimmt werden.
Nun spielt man Töne in den unteren Lagen (1. bis 5. Bund), und achtet auf die Stärke des Schnarrens. Idealerweise sollten die Töne in den tiefen Lagen genau so starke Bundgeräusche von sich geben, wie die in den hohen Lagen. Schnarrt es stärker, muss der Halsstab gelöst werden – schnarrt es selbst bei starkem Anschlag deutlich weniger, darf der Stab ruhig noch etwas angezogen werden.

Das Verstellen der Stahlstabmutter sollte immer in kleinen Schritten geschehen. Schon eine Drehung um 45 Grad (Achteldrehung) kann oft für eine gewünschte Veränderung ausreichen. Auch sollte man vor weiteren Schritten immer etwas warten, da sich der Hals oft erst verzögert in die neue Position begibt. Bei stärkeren Veränderungen der Einstellung kann es passieren, dass die endgültige Krümmung erst am nächsten Tag offenbar wird!

Ist ein Anziehen des Halses notwendig, sollte man immer etwas die Saiten lösen (was bei manchen Bässen alleine schon für das Erreichen der Mutter erforderlich ist), und den Hals während des Anziehens leicht nach hinten biegen. Sollte die Mutter aber schwergängig sein – auf keinen Fall weitermachen! Nach ganz fest kommt ganz ab. Und das kann bei Stahlstäben richtig teuer werden. Wenn also der Hals nicht gerader werden will, hat das einen Grund, den besser der Gitarrenbauer eures Vertrauens herausfinden sollte.

Ursache für eine plötzliche Schwergängigkeit muss nämlich nicht ein störrischer Hals sein – vielmehr könnte das Holz am Ende der Bohrung so zusammengestaucht sein, dass das Gewinde ganz einfach „am Ende“ ist. Hier hilft das Einlegen von (zusätzlichen) Unterlegscheiben, um den Einstellspielraum wieder zu vergrößern.

Halsschrauben im allgemeinen und speziellen

Die Halsschrauben befinden sich entweder am oberen oder am unteren Ende des Halses. Oftmals verbergen sie sich hinter Deckelchen, die man manchmal erst mühsam entfernen muss. Glücklich ist, wer im Besitz des passenden Trussrod-Schlüssels ist. Erwirbt man einen gebrauchten Bass, fehlt oftmals das passende Besteck. Hier hilft nur ein Gang ins Musikgeschäft oder ein Besuch beim Spezialwerkzeugladen – besonders, wenn es sich um einen Bass aus den USA handelt, denn die Amerikaner besitzen bekanntlich ein anderes Maßsystem als die Europäer (zöllig statt metrisch).
Als Werkzeug werden überwiegend Innensechskantschlüssel (Inbus) verwendet. Es gibt aber auch einige Trussrods, die einen Außensechskant (Nuss) benötigen. Bei einigen alten Fender-Bässen reicht ein breiter Schlitz-Schraubendreher – dafür muss aber leider oftmals der Hals losgeschraubt werden, um an die Schraube am Halsende zu gelangen.

Im Folgenden stellen wir euch nun eine kleine Auswahl von Halsverstellschrauben vor und verraten noch ein paar Tipps.

bp2_2010_mbui_fender_1973head_550
Wir sehen hier die Kopfplatte eines Fender Jazz Bass von 1973. Wie man erkennen kann, wurde der Kanal, in dem sich der Spannstab befindet, sauber verschlossen. Die Halsschraube zum Einstellen befindet sich natürlich an der Bodyseite.

bp2_2010_mbui_fender_51_550
In den fünfziger und sechziger Jahren stellte Fender nur Bässe her, bei denen die Halsschraube am Halsfuß liegt. Hier ist kein direktes Einstellen möglich, wie wir bei diesem Precision von 1952 sehen. Um an die Halsschraube zu gelangen, muss man den Hals abschrauben. Es empfi ehlt sich,die Halsschraube erst einmal etwas zu lockern, um zu testen, wie fest oder locker die Schraube sitzt. Da die Fender-Hälse erfahrungsgemäß recht stabil sind, sollte man die Schraube mittels eines Schraubenziehers „handfest“ drehen.

bp2_2010_mbui_fender_bullet_550
In den Siebzigern erkannte man bei Fender, dass es unlustig ist, ständig den Hals abschrauben zu müssen, um an die Schraube zu gelangen. Statt der dicken Schlitzmutter spendierte man dem Jazz Bass daher eine Mutter in Form einer Patrone (engl. „Bullet“) auf der Kopfplatte. Unsere Abbildung zeigt einen Jazz Bass von 1975. Der relativ zierliche Innensechskant der Schraube ist bei diesem Bass bereits ziemlich vernudelt. Hier hilft kein Schlüssel mehr, sondern nur noch der Gang zum Bass-Doktor, der die Mutter gegen eine neue austauschen muss.

bp2_2010_mbui_gib1_550
Während Fender den Zugang zur Schraube – sowohl von Body als auch Halsseite – offen lässt, schraubt man beispielsweise bei Gibson kleine Deckelchen über die Öffnung.

bp2_2010_mbui_gib2_550
Die Schraube dieses Gibson-Basses lässt sich mittels eines Schlitzschraubenziehers bewegen.

bp2_2010_mbui_gib3_550
Bei diesem Gibson-Bass wiederum kann man mit einem Sechskantschlüssel an der Schraube drehen.

bp2_2010_mbui_gib4_550
Der Hals wird angezogen, indem man den Schlüssel auf die Mutter setzt und ihn im Uhrzeigersinn dreht.

bp2_mbui_muma_550
Am komfortabelsten hat sich die Einstellung mit einer Lochmutter erwiesen, da hier kein Spezialwerkzeug notwendig ist und auch die Kraftübertragung ohne „Ausnudeln” und „Vergurken” des Schraubenkopfes gelingt. Diese geniale Erfindung ist Standard auf allen neuen Music Man-Bässen. Hier reicht bereits ein Nagel zum Einstellen des Halses!

bp2_2010_mbui_rick1_550
Bei einem Rickenbacker sind es immerhin drei Schrauben, die man lösen muss, um die Abdeckung mit dem Schriftzug zu entfernen.

bp2_2010_mbui_rick2_550
Rickenbacker war der erste Hersteller, der zwei Halsstäbe verwendete. Mittlerweile gibt es einige Hersteller, z.B. Yamaha, Dean oder Conklin, die ihre Bässe mit zwei Halsstäben bauen. Gerade bei Hälsen, die mit mehr als fünf Saiten bespannt werden, bietet sich diese Bauweise an.
So bändigt man das Pärchen beim 4003 (für Vintage-Ricks siehe Ausgabe 3-2009): Wer nicht weiß, wie viel Spannung auf dem Hals lastet, drehe die Schrauben erstmal locker. Dazu sind sicherlich mehrere Umdrehungen nötig. Der Hals dürfte jetzt stark gekrümmt sein (sofern die Saiten noch etwas angezogen sind). Nun zieht man die Schrauben abwechselnd wieder an - jeweils in Vierteldrehungen und immer im Wechsel.

bp2_2010_mbui_alem1_550
Dass es in der Luxusklasse nicht immer komfortabler zugeht als in der Volksklasse, zeigt das folgende Beispiel: ein Alembic Series 2. Nachdem man zwei Schrauben herausgedreht hat – hier befinden sich natürlich Gewindehülsen im Holz – erblickt man die beiden Trussrod-Muttern.

bp2_2010_mbui_alem2_550
Wie man sieht, hat sich der amerikanische Nobelhersteller bei den Kollegen von Rickenbacker bedient und verwendet ebenfalls zwei Halsstäbe. Das Einstellen funktioniert wie zuvor beschrieben. Allerdings mit dem Unterschied, dass hier die Schrauben auf der Bodyseite liegen. Das Einstellen kann man daher getrost als umständlich bezeichnen, denn man muss ständig zwischen den Saiten hantieren. Zudem befinden sich im dem Schraubenkanal auch noch Käbelchen, die LEDs Hier sollte man mit viel Ruhe und Geduld werkeln. Zum Einstellen benötigt man einen speziellen ¼-Zoll-Schlüssel. Allerdings: ist dieser Bass top eingestellt, wird man mit einer erstklassigen Saitenlage belohnt.

bp2_2010_mbui_pedu1_550

bp2_2010_mbui_pedu2_550
Hier einmal einer jener Bässe, deren Halsstäbe sich in beide Richtungen einstellen lassen. Bei Pedulla macht man sich (nicht zu Unrecht) Sorgen um die User und hat eine Warnung aufgeklebt. Mithilfe des Schlüssels, der sogar in einer Holzummantelung daherkommt, ist das Einstellen aber recht einfach.

bp2_2010_mbui_w1_550

bp2_2010_mbui_w2_550
Dass man bei Warwick Bässe baut, die oft ihren Weg auf die Bühne finden, wird schnell klar, sobald man sich die Teile mal etwas genauer anschaut. Auch hier wurde ein Deckelchen über die Halsverstellschraube geschraubt. Ein Segment lässt sich aber ganz fix mit dem Fingelnagel öffnen. Schon kann man den Schlüssel ansetzen, und den Bass rasch optimieren.

bp2_2010_mbui_iban1_550

bp2_2010_mbui_iban2_550
Ibanez hält gern immer wieder praktische Lösungen bereit. Bei diesem Ibanez-Bass lässt sich das Deckelchen einfach zur Seite schieben!

bp2_2010_mbui_loew1_550     bp2_2010_mbui_loew2_550
Freie Fahrt hat man bei diesem Löwenherz. Einfach den Schlüssel von oben reinstecken und behutsam drehen. Wer etwas Übung besitzt, schafft das Nachstellen – sofern nötig – sogar während des Spiels!


Wir machen Musik...

Abschließend ein paar Tipps für Halseinstellungen zu einzelnen Stilistiken:
 
Top 40, Soul, Pop: Wer überwiegend in den ersten sieben Bünden „arbeitet”, sollte die Krümmung ruhig etwas üppiger wählen, um ein Schnarren in dieser Region zu vermeiden. Angenehmer Nebeneffekt: Der Ton wird dadurch auch voller!

Studio: Gleiches gilt für Aufnahmen im Studio. Kommt man live noch mit ein paar sirrenden und scheppernden Tönen durch, scheinen sich im Studio die Nebengeräusche wie unter einer Lupe zu potenzieren.

Solobass: Wer viel solistisch unterwegs ist (Spiel in hohen Lagen, Tapping, Akkorde, etc.), sollte die Krümmung so gering wie möglich halten, da die gewünschte niedrige Saitenlage auch in den hohen Lagen nicht alleine durch die Saitenreiterhöhe erzielt werden kann.

Slappen: Beim Slappen spielt sich viel in den unteren und mittleren Lagen ab. Je mehr Platz die Saiten hier zum Ausschwingen haben, desto üppiger kann sich auch der Ton entfalten. Übertreiben sollte man es aber nicht, da ein gewisses Schnarren und Zisseln für den typischen Slapsound einfach sein muss.

Plektrum: Spielt man den Bass mit Plektrum, so gibt es hier keine festen Regeln. Wer gern schnell und mit vielen Noten spielt, sollte eine eher flachere Saitenlage wählen. Wer ständig „pumpen“ muss und seinen Dienst in einer AC/DC-Coverband verrichtet, kann die Halskrümmung grosszügiger wählen, damit die Saiten frei schwingen können und sich der Ton besser entfalten kann. In der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit den Bass-Brücken – da wird es noch einmal richtig spannend!

Wir bedanken uns bei GÖLDO für die Bereitstellung der verschiedenen Trussrods!
Falls ihr Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt uns eine Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Übrigens: Man sieht es gerade bei Profibassisten recht oft, dass sich auf ihren Bässen gar keine Deckelchen über dem Schraubenzugang mehr befinden. Sowohl Victor Wooten mit seinem Fodera als auch Stanley Clarke mit seinem Alembic fahren ohne Deckel durch die Gegend – vielen Bassisten fehlen einfach Zeit und Muße beim Ab- und Anschrauben.

Hauptkategorie: Mein Bass und Ich

Bass Talk


  • Popimpulstag des Popularmusikverbands Bayern e.V.: Samstag den 07. März 2020
    Weiterlesen...  
  • Warwick GmbH wird exklusiver Lizenznehmer für Sadowsky Guitars Ltd.
    Warwick GmbH wird exklusiver Lizenznehmer für Sadowsky Guitars Ltd.
    Weiterlesen...  
  • Guitar Summit 2019

    Guitar Summit:
    27. – 29. September 2019
    Weiterlesen...

BS: 52er



Der Mythos von Fender ist ungebrochen! Immer wieder erreichen uns Anfragen, mehr über ältere Fender- Bässe zu berichten. Natürlich kommen wir diesem Wunsch gern nach und präsentieren euch hier ein erlesenes Schmuckstück aus den Anfangstagen des elektrischen Basses. Der E-Bass wurde ja „nur“ deshalb erfunden, weil Gitarristen Kontrabass spielen sollten. Für die Vielzahl der Gitarristen gab es in der Mitte des letzten Jahrhunderts zu wenig Jobs. Dafür gab es einen Mangel an Kontrabassisten. Also baute Leo Fender 1951 den Fender Precision Bass, nachdem er erst im Jahr zuvor seine erste E-Gitarre der staunenden Weltöffentlichkeit vorgestellt hatte.

1952 Precisionbass

Bass Special


An einem Höfner Beatle Bass kann man sich einfach nicht sattsehen! In Ergänzung zum BASS MUSEUM, dass euch einen seltenen Höfner 500/1 aus dem Jahr 1963 zeigt, könnt ihr euch hier von einem Exemplar aus dem Jahr 1965 die Augen massieren lassen. Auf den Bildern kommt die schöne Korpusform mit den typischen Haarrissen besonders gut zur Geltung. Ebenso die großen Pickup-Rahmen und das Hals-Binding, das erstmals ab 1964 eingesetzt wurde. Das Perlmutt-Schlagbrett ist wunderbar nachgedunkelt und passt zum kleinen Elektronik-Fach. Das Finish ist bei diesem alten Exemplar besonders schön und – wie die Beatles, die uns hier in Form kleiner Figuren begegnen – einfach zeitlos!

Höfner Beatle Bass

Saiten-Test

Bass Professor Saitentest

Der große Bass Professor Saiten-Test

Zum Test:
Der Einfluss von Saiten auf den Klang wird meist sehr unterschätzt. In der Regel nimmt man die Saiten, die einigermaßen günstig sind. Angesichts der Preise, die zum Teil für einen Satz Basssaiten aufgerufen werden, sicherlich auch ein naheliegender Weg. 13 Hersteller im Test.

[readon url="/index.php/bass-professor/bp-2012/bp42012/saitentest"]-> zum Test[/readon]

Service:



BASS PROFESSOR proudly presents: DIGITALER NACHBESTELLSERVICE!

Du möchtest die Ausgabe 1/2014 in der DEIN Bass getestet wurde? Du interessierst dich für den Test des GLOCKENKLANG "BLUE SKY"? Du willst unbedingt den Test des MARLEAUX "CONTRA" nachlesen? ...

Wir können Dir helfen! Den kompletten Test – und viele andere mehr – kannst Du jetzt als "PDF" bei www.Testberichte.de ab EUR 0,99 herunterladen.

Um in den Bereich des BASS PROFESSOR zu gelangen, brauchst Du auf der Startseite von www.Testberichte.de nur BASS PROFESSOR einzugeben – und schon bist Du drin! Wir wünschen Dir viel sBass beim Stöbern!